LG Saarbrücken zur Vertretung meh­re­rer Geschädigter durch ei­nen Rechtsanwalt

Quelle: Iwouldstay, Wikimedia Commons
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Die Klägerin ver­letz­te si­ch im Linienbus der Beklagten, als der Busfahrer ei­ne Vollbremsung ein­lei­ten mus­s­te und da­bei ei­ne an­de­re Frau auf die Klägerin stürz­te. Die Prozessbevollmächtigten der Klägerin mach­ten Schadensersatzansprüche nicht nur für die­se, son­dern auch für die stür­zen­de Frau gel­tend. Die Ansprüche wur­den teil­wei­se re­gu­liert; mitt­ler­wei­le nimmt die Beklagte die an­de­re Frau in Regress. Die Klage auf Zahlung vor­ge­richt­li­cher Rechtsanwaltskosten hat das LG Saarbrücken ab­ge­wie­sen, da kei­ne Honorarforderung der Prozessbevollmächtigten ge­gen die Klägerin ge­ge­ben sei (Urteil vom 16.01.2015, Az. 13 S 124/14): wei­ter­le­sen LG Saarbrücken zur Vertretung meh­re­rer Geschädigter durch ei­nen Rechtsanwalt

AG Waldbröl: iPod ist kein Mobiltelefon

Quelle: pixabay.com
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Durch die Rechtsprechung der letz­ten Jahre sind vie­le Fragen be­züg­li­ch des so­ge­nann­ten Handyverbots (§ 23 Abs. 1a StVO) ge­klärt, et­wa wel­che Tätigkeiten no­ch un­ter den Begriff der “Benutzung” fal­len (sie­he OLG Zwei­brü­cken: Able­sen der Uhr­zeit vom Dis­play fällt un­ter das Handyverbot). Unklar hin­ge­gen ist teil­wei­se, wel­che Geräte da­von er­fasst sind; nach ei­ner Ansicht sol­len Funkgeräte dar­un­ter fal­len, schnur­lo­se Festnetztelefone hin­ge­gen nicht. Noch un­kla­rer kann es bei mo­der­nen Multimediageräten wie Tablet PCs oder PDAs wer­den. Selbst wenn sie über kein Mobilfunkmodul ver­fü­gen, kann mit­tels ein­ge­bau­tem Lautsprecher, Mikrofon, WLAN-Empfänger und ent­spre­chen­der Software über das Internet te­le­fo­niert wer­den. Das AG Waldbröl hat nun ei­nen Autofahrer, der wäh­rend der Fahrt ei­nen iPod in der Hand ge­hal­ten und be­dient hat, frei­ge­spro­chen (Urteil vom 31.10.2014, Az. 44 OWI-225 Js 1055/14-121/14): wei­ter­le­sen AG Waldbröl: iPod ist kein Mobiltelefon

LG Saarbrücken: Ersatz der Wertminderung auch bei 130%-Abrechnung

Quelle: pixabay.com
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In sei­nem Urteil vom 09.01.2015 (Az. 13 S 166/14) fasst das LG Saarbrücken die Voraussetzungen ei­ner Abrechnung auf Reparaturkostenbasis im Rahmen der 130%-Grenze zu­sam­men. Mit Verweis auf die (in die­sem Fall schon äl­te­re) BGH-Rechtsprechung spricht es dem Geschädigten auch den Ersatz der Wertminderung zu. Dies hat­te das AG Merzig zu­vor ab­ge­lehnt: wei­ter­le­sen LG Saarbrücken: Ersatz der Wertminderung auch bei 130%-Abrechnung

OLG Düsseldorf: Aktenvorlage durch Staatsanwaltschaft an Bußgeldsenat - 9 Monate sind zu lan­ge

Quelle: pixabay.com
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Das AG hat den Betroffenen we­gen fahr­läs­si­gen Nichtanlegens des Sicherheitsgurtes zu ei­ner Geldbuße von 35 Euro ver­ur­teilt. Der Betroffene hat die Zulassung der Rechtsbeschwerde ge­gen das Urteil be­an­tragt. Seine Begründung ging am 11.02.2014 ein; am 05.03.2014 lief die Frist ab. Dem OLG-Senat wur­den die Akten er­st am 12.12.2014 durch die Staatsanwaltschaft vor­ge­legt. Der Antrag war un­be­grün­det, je­doch stell­te das OLG ei­ne rechts­staats­wid­ri­ge Verzögerung des Verfahrens fest (Beschluss vom 23.12.2014, Az. IV-2 RBs 160/14): wei­ter­le­sen OLG Düsseldorf: Aktenvorlage durch Staatsanwaltschaft an Bußgeldsenat - 9 Monate sind zu lan­ge

PoliScan Speed oder: AG Emmendingen und die Leichen im Keller der Behörde

Quelle: KarleHorn, Wikimedia Commons
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Auch nach­dem ein ähn­li­ches Urteil (Auch beim AG Emmen­din­gen gilt: kei­ne Ver­ur­tei­lung bei PoliScan Speed-Messung oh­ne wei­tere Informationen) durch das OLG Karlsruhe auf­ge­ho­ben wur­de (PoliScan Speed: OLG Karls­ruhe hebt AG Emmen­din­gen auf), ver­traut das AG Emmendingen den PoliScan Speed-Messungen nicht ganz. Es hat drei Betroffene vom Vorwurf der Geschwindigkeitsüberschreitung frei­ge­spro­chen (Urteil vom 13.11.2014, Az. 5 OWi 530 Js 17298/13, hier ab­ruf­bar). In der (le­sens­wer­ten und über 30-seitigen) Entscheidung geht es aber nicht mehr nur um die kon­kre­ten Messungen. Sie do­ku­men­tiert aus­führ­li­ch die Rechtsprechung zu den stan­dar­di­sier­ten Messverfahren aus den 90er-Jahren (BGH: Begriff des stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens) und die Problematik um PoliScan Speed und die PTB so­wie die da­zu er­gan­ge­ne Rechtsprechung. Dabei wer­den ge­ne­rel­le Zweifel des Gerichts an der Figur des stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens laut, je­den­falls in ih­rer kon­kre­ten Anwendung durch die Oberlandesgerichte: wei­ter­le­sen PoliScan Speed oder: AG Emmendingen und die Leichen im Keller der Behörde

BGH zum Ersatz ent­gan­ge­nen Gewinns ei­nes Rasthofs bei Autobahnsperrung

Quelle: Rauenstein, Wikimedia Commons
Quelle: Rauenstein, Wikimedia Commons

Der bei der be­klag­ten ver­sich­ter­te Sattelzug stieß auf ei­ner Bundesautobahn mit ei­ner Brücke zu­sam­men. Durch die Beschädigung der Brücke be­stand Einsturzgefahr, so dass ein Teilstück der Autobahn für meh­re­re Tage ge­sperrt und im Rundfunk emp­foh­len wur­de, den Bereich weit­räu­mig zu um­fah­ren. Die Klägerin ist Betreiberin ei­ner Raststätte, die si­ch we­ni­ge Kilometer au­ßer­halb des ge­sperr­ten Bereichs be­fin­det. Da die Rastanlage wäh­rend der Sperrung für Durchgangsverkehr nicht er­reich­bar war, war sie in die­ser Zeit ge­schlos­sen. Die Klägerin be­gehrt den Ersatz ent­gan­ge­nen Gewinns. Der BGH lehnt sämt­li­che Ansprüche ab (BGH, Urteil vom 09.12.2014, Az. VI ZR 155/14): wei­ter­le­sen BGH zum Ersatz ent­gan­ge­nen Gewinns ei­nes Rasthofs bei Autobahnsperrung

OLG Frankfurt zur Wertminderung bei Chiptuning am Leasingwagen

Quelle: Nslsmith, Wikimedia Commons
Quelle: Nslsmith, Wikimedia Commons

Das OLG Frankfurt mus­s­te si­ch mit der Frage be­fas­sen, ob Chiptuning si­ch (vor­aus­sicht­li­ch) nach­tei­lig auf die Laufleistung ei­nes Motors aus­wirkt und wel­che Wertminderung der Leasingnehmer we­gen der Veränderungen am Motor aus­zu­glei­chen hat. Das OLG nimmt, wie be­reits an­de­re Gerichte, ei­ne Substanzverletzung und ei­nen Verstoß ge­gen die Leasing-AGB an (Urteil vom 04.12.2014, Az. 12 U 137/13): wei­ter­le­sen OLG Frankfurt zur Wertminderung bei Chiptuning am Leasingwagen

OLG Köln zu Reifenteilen auf der Autobahn und Sichtfahrgebot bei Nacht

Quelle: Christian Demski, Wikimedia Commons
Quelle: Christian Demski, Wikimedia Commons

Bestimmte Hindernisse (in die­sem Fall u. a. Reifenteile und Spanngurte) sind auf der Fahrbahn bei Dunkelheit nur schlecht und spät zu er­ken­nen. Bei ei­ner Kollision liegt da­her zu­min­dest dann kein Verstoß ge­gen das Sichtfahrgebot vor, wenn die ein­zel­nen Teile klei­ner als ein LKW-Reifen wa­ren, so das OLG Köln, das ei­ne Mithaftung ab­lehnt (Beschluss vom 08.01.2014, Az. 19 U 158/13): wei­ter­le­sen OLG Köln zu Reifenteilen auf der Autobahn und Sichtfahrgebot bei Nacht

LG Saarbrücken: Wann gilt die StVO / rechts vor links auf ei­nem Parkplatz?

Quelle: Norbert Kaiser, Wikimedia Commons
Quelle: Norbert Kaiser, Wikimedia Commons

Sehr oft müs­sen si­ch die Gerichte mit Unfällen auf Parklplätzen be­fas­sen (z. B. in LG Saar­brü­cken: Regel­mä­ßig kei­ne Haf­tung des Fahr­schü­lers bei Verkehrsunfall). Dann stellt si­ch zu­nächst die Frage, ob die StVO an­wend­bar ist und, falls ja, wel­ches Fahrzeug Vorrang hat und wel­ches war­ten muss. In ei­nem ak­tu­el­len Urteil nennt das LG Saarbrücken die ver­schie­de­nen Ansichten zu der Frage, ob und auf wel­chen Parkplätzen (Straßencharakter der Fahrbahnen) die Regel “rechts vor links” gilt (Urteil vom 21.11.2014, Az. 13 S 132/14): wei­ter­le­sen LG Saarbrücken: Wann gilt die StVO / rechts vor links auf ei­nem Parkplatz?

KG: Keine Einspruchsverwerfung 7 Minuten nach Verhandlungsunterbrechung

Quelle: ACBahn, Wikimedia Commons
Quelle: ACBahn, Wikimedia Commons

Der Betroffene und sein Verteidiger hat­ten den Verhandlungssaal ver­las­sen, um si­ch zu be­spre­chen, nach­dem der Vorsitzende auf Wunsch des Verteidigers die Verhandlung un­ter­bro­chen hat­te. Drei Minuten spä­ter hat der Vorsitzende die Verhandlung fort­ge­setzt und den Betroffenen und sei­nen Verteidiger auf­ru­fen las­sen. Als die­se nach wei­te­ren vier Minuten nicht er­schie­nen wa­ren, ver­warf das AG Tiergarten den Einspruch. Im Antrag auf Zulassung der Rechtsbeschwerde rügt der Betroffene die Verletzung recht­li­chen Gehörs und gibt an, dass er den Vorsitzenden we­gen ei­nes vor­an­ge­gan­ge­nen ge­richt­li­chen Schreibens (Hinweis auf die Möglichkeit ei­ner deut­li­ch er­höh­ten Geldbuße) ab­ge­lehnt hät­te, wä­re der Einspruch nicht ver­wor­fen wor­den. Das Rechtsmittel hat­te Erfolg (KG, Beschluss vom 05.11.2014, Az. 3 Ws (B) 575/14): wei­ter­le­sen KG: Keine Einspruchsverwerfung 7 Minuten nach Verhandlungsunterbrechung