OLG Hamm: Kein Nachschieben ei­ner Begründung bei der Bußgeldbemessung

Ferner zeigt auch ein Vergleich mit der Rechtsprechung zur Urteilsberichtigung, dass das hier ge­wähl­te Vorgehen un­zu­läs­sig war. Nach die­ser Rechtsprechung schei­det näm­li­ch ei­ne nach­träg­li­che Berichtigung der Urteilsgründe aus, wenn si­ch da­hin­ter  in Wahrheit die sach­li­che Abänderung des in­halt­li­ch an­ders be­schlos­se­nen Urteils ver­birgt (BGH, Urteil vom 14. November 1990 – 3 StR 310/90 –, ju­ris). Etwas an­de­res kann aber dann auch für die vor­lie­gen­de Konstellation nicht gel­ten, denn das Urteil wur­de auf der Grundlage ei­ner an­de­ren Vorschrift ge­fasst und da­mit ge­ra­de in­halt­li­ch an­ders. Auch ent­spricht es der höchst­rich­ter­li­chen Rechtsprechung, dass die schrift­li­chen Urteilsgründe die tat­säch­li­chen und recht­li­chen Grundlagen des Urteils wie­der­ge­ben sol­len, wie sie nach der Hauptverhandlung in der Beratung ge­won­nen wor­den sind (BGH bei Miebach, NStZ 1988, 213; vgl. auch Stuckenberg in: Löwe/Rosenberg, StPO, 26. Aufl., § 267 Rdn. 10). Bei ei­nem Einzelrichter – wie hier – fin­det zwar kei­ne Beratung im her­kömm­li­chen Sinne, d.h. i.S. ei­ner ge­mein­sa­men Besprechung, statt. Es han­delt si­ch viel­mehr um ei­nen im Inneren ei­nes Menschen lie­gen­den Vorgang („mit si­ch zu Rate ge­hen“, vgl. OLG Köln NStZ 2005, 710, 711). Das än­dert aber nichts dar­an, dass auch hier die schrift­li­chen Urteilsgründe das Ergebnis die­ser „Beratung“ wie­der­ge­ben sol­len.

Weiter ist an­zu­mer­ken, dass der Umstand, dass die Geldbuße we­gen der Voreintragung mehr als ver­dop­pelt wur­de, nä­he­rer Erläuterung be­durft hät­te. Es han­delt si­ch um ei­ne ganz er­heb­li­che Erhöhung der Regelgeldbuße. Die Voreintragung war nicht ein­schlä­gi­ger Natur. Bei der nun­mehr be­gan­ge­nen Verkehrsordnungswidrigkeit geht das Amtsgericht von ei­ner fahr­läs­si­gen Begehungsweise aus. Insoweit hät­te es der nä­he­ren Erläuterung be­durft, war­um nur die so deut­li­ch er­höh­te Geldbuße ge­eig­net war, den Betroffenen an sei­ne Ordnungspflicht zu er­in­nern.

Über Alexander Gratz

Dipl. jur. Universität des Saarlandes

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