Falsche Verdächtigung: Anzeigeerstatter muss für Rechtsanwaltsgebühren auf­kom­men!

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Zwischen der Familie der Klägerin und dem Beklagten be­stehen of­fen­bar seit län­ge­rer Zeit Nachbarschaftsstreitigkeiten, die be­reits die Gerichte be­schäf­tigt ha­ben. Der Beklagte hat­te on­line ei­ne Strafanzeige ge­gen die Klägerin er­stat­tet und da­bei und bei ei­ner spä­te­ren Zeugenvernehmung be­haup­tet, die­se ha­be ver­sucht, ihn mit dem Auto um­zu­fah­ren. Die Staatsanwaltschaft hat das Strafverfahren ge­gen die Klägerin ge­mäß § 170 Abs. 2 StPO ein­ge­stellt. Auch das AG Brandenburg er­ach­te­te sei­ne Angaben nach der Vernehmung meh­re­rer Zeugen als wi­der­legt: Die Zeitangabe des Beklagten kön­ne nicht stim­men; die Klägerin sei er­st zu ei­nem spä­te­ren Zeitpunkt als an­ge­ge­ben nach Hause ge­kom­men und war nur Beifahrerin. Der be­haup­te­te Vorfall ha­be über­haupt nicht statt­ge­fun­den. Wegen der fal­schen Verdächtigung kön­ne die Klägerin Schadensersatz in Höhe der ihr im Ermittlungsverfahren ent­stan­de­nen Rechtsanwaltsgebühren von dem Beklagten ver­lan­gen. Dies gel­te je­doch nicht für die Aufwendungen des Kfz-Halters, der nach Erhalt ei­nes Schreibens der Polizeidirektion und Bitte, den Fahrzeugführer mit­zu­tei­len, eben­falls ei­nen Rechtsanwalt be­auf­tragt hat, da dies re­gel­mä­ßig nicht er­for­der­li­ch sei. Auch kön­ne die Klägerin kei­ne (im­ma­te­ri­el­le) Geldentschädigung ver­lan­gen (AG Brandenburg, Urteil vom 26.05.2016, Az. 34 C 40/15).

Der Klägerin steht hier zwar ein Anspruch auf Freistellung hin­sicht­li­ch ih­rer Zahlungsverpflichtung be­züg­li­ch der au­ßer­ge­richt­li­ch ent­stan­de­nen Rechtsanwaltsgebühren für ih­re ei­ge­ne Verteidigung im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Potsdam zu dem dor­ti­gen Az. 4102 Js 36503/14 in Höhe von 386,75 Euro ge­gen­über dem Beklagten zu, nicht aber ein Anspruch auf Zahlung Schmerzensgeld in Höhe von 300,00 Euro und auch nicht ein Anspruch auf Freistellung hin­sicht­li­ch der an sie ab­ge­tre­te­nen Zahlungsverpflichtung be­züg­li­ch der au­ßer­ge­richt­li­ch ent­stan­de­nen Rechtsanwaltsgebühren des Kfz-Halters in Höhe von 150,00 Euro (§§ 242, 249, 253 und 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit §§ 164, 186 und 193 StGB un­ter Beachtung von §§ 286 und 287 ZPO und § 469 StPO).

Die Klägerin hat ge­gen­über dem Beklagten ei­nen Anspruch auf Freistellung in Höhe der un­strei­tig an­ge­fal­le­nen Rechtsanwaltskosten von 386,75 Euro, da der Beklagte nach Überzeugung des Gerichts ein zu­guns­ten der Klägerin be­stehen­des Schutzgesetz ver­letzt hat.

Das er­ken­nen­de Gericht be­ur­teilt die Frage, un­ter wel­chen Umständen die Einleitung ei­nes straf­recht­li­chen Ermittlungsverfahrens ei­ne scha­dens­er­satz­aus­lö­sen­de un­er­laub­te Handlung ist, in­so­fern nach den von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, des Bundesgerichtshofs und der üb­ri­gen Rechtsprechung ent­wi­ckel­ten Grundsätzen. Danach han­delt zwar der­je­ni­ge, der si­ch ei­nes staat­li­chen, ge­setz­li­ch ge­re­gel­ten Verfahrens zur Durchsetzung sei­ner Ansprüche oder be­rech­tig­ten Interessen be­dient – au­ßer im Fall des § 826 BGB –, grund­sätz­li­ch nicht rechts­wid­rig, da je­der­mann das Recht hat, durch ei­ne Strafanzeige ein ge­setz­li­ch ge­re­gel­tes Verfahren in Gang zu brin­gen (BGH, Urteil vom 28.02.2012, Az.: VI ZR 79/11, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1659 f.; BGH, VersR 1979, Seite 544; BGH, BGHZ Band 20, Seite 169; AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.).

Insoweit ist es mit rechts­staat­li­chen Geboten un­ver­ein­bar, wenn der­je­ni­ge, der im gu­ten Glauben ei­ne Strafanzeige er­stat­te, Nachteile (z.B. in Form von Schadensersatzforderungen) da­durch er­lei­det, dass si­ch sei­ne Behauptung nach be­hörd­li­cher Prüfung als un­rich­tig oder nicht auf­klär­bar er­weist (BVerfG, NJW 2008, Seiten 570 f.; BVerfG, NJW 1991, Seiten 1285 f.; BVerfG, NJW 1987, Seiten 1929 f.; BGH, Urteil vom 28.02.2012, Az.: VI ZR 79/11, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1659 f.). Auch Rechtsanwaltskosten für die Vertretung in ei­nem Ermittlungsverfahren ge­hö­ren in­so­weit grund­sätz­li­ch zu den ty­pi­schen, er­satz­los hin­zu­neh­men­den Folgen ei­ner for­mal be­rech­tig­ten Einleitung und Durchführung ei­nes straf­recht­li­chen Ermittlungsverfahrens (AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.).

Dies gilt auch dann, wenn si­ch das Begehren nach­träg­li­ch als sach­li­ch nicht ge­recht­fer­tigt er­weist und dem an­de­ren Teil Nachteile ent­stan­den sind (BGH, BGHZ Band 74, Seiten 9 ff. = VersR 1979, Seiten 544 f.; AG Hamburg, VersR 1993, Seiten 1363 f. = ZfSch 1994, Seite 164). Angesichts der ver­fah­rens­recht­li­chen Legalität ge­nießt ein sol­ches Verhalten näm­li­ch zu­nächst die Vermutung der Rechtmäßigkeit. Den Schutz des Beschuldigten bie­tet das Strafverfahren selbst nach Maßgabe sei­ner ge­setz­li­chen Ausgestaltung (BGH, BGHZ Band 36, Seiten 18 ff.; AG Hamburg, VersR 1993, Seiten 1363 f. = ZfSch 1994, Seite 164).

Die Grenze bei der Inanspruchnahme ei­nes ge­setz­li­ch ge­re­gel­ten Verfahrens rich­tet si­ch aber nach Treu und Glauben (§ 242 BGB). Bei ei­nem will­kür­li­ch, leicht­fer­tig oder mit un­lau­te­ren Mitteln in Gang ge­brach­ten Strafverfahren ist aber die Vermutung der Rechtmäßigkeit be­reits wi­der­legt (BGH, NJW 1985, Seiten 1959 ff.; BGH, BGHZ Band 74, Seiten 9 ff. = VersR 1979, Seiten 544 ff.; BGH, BGHZ Band 36, Seiten 18 ff.; AG Hamburg, VersR 1993, Seiten 1363 f. = ZfSch 1994, Seite 164). Der Beklagte hat si­ch hier aber in die­sem Sinne mehr als un­red­li­ch ver­hal­ten.

Nach § 164 Abs. 1 StGB wird näm­li­ch un­ter an­de­rem auch der­je­ni­ge we­gen fal­scher Verdächtigung be­straft, der ei­nen an­de­ren bei ei­ner Behörde wi­der bes­se­res Wissen ei­ner rechts­wid­ri­gen Tat in der Absicht ver­däch­tigt, ein be­hörd­li­ches Verfahren ge­gen den an­de­ren her­bei­zu­füh­ren. In ob­jek­ti­ver Hinsicht setzt die Strafnorm ei­ne ob­jek­tiv fal­sche Verdächtigung vor­aus; in sub­jek­ti­ver Hinsicht muss der Täter in­so­weit wi­der bes­se­res Wissen han­deln, das heißt, er muss im Zeitpunkt der Verdächtigung be­stimm­te Kenntnis von der Unwahrheit des Angezeigten ha­ben. Bedingter Vorsatz ge­nügt in­so­weit – an­ders als für die üb­ri­gen Tatbestandsmerkmale – je­doch nicht (BVerfG, NJW 2008, Seiten 570 f.; BVerfG, NJW 1991, Seiten 1285 f.).

Zwar ist hier in­so­weit auch der Gesichtspunkt zu be­ach­ten, dass ein Bürger durch die Erstattung ei­ner Strafanzeige bei der Polizei le­dig­li­ch ei­ne von der Rechtsordnung er­laub­te und ge­bil­lig­te Möglichkeit wahr­nimmt, die von Verfassungs we­gen so­gar ge­for­dert wird, da es der Rechtsstaat – von Ausnahmefällen ab­ge­se­hen – dem Bürger ver­wehrt, sein wirk­li­ches oder ver­meint­li­ches Recht so­wohl ge­gen­über staat­li­chen Organen als auch ge­gen­über dem Mitbürger mit Gewalt durch­zu­set­zen, so dass der Einzelne sein Recht vor staat­li­chen Gerichten su­chen und es mit Hilfe der Staatsgewalt voll­stre­cken muss. Aus dem Verbot der Privatgewalt und der Verstaatlichung der Rechtsdurchsetzung folgt um­ge­kehrt die Pflicht des Staates, für die Sicherheit sei­ner Bürger zu sor­gen und die Beachtung ih­rer Rechte si­cher­zu­stel­len. Mit die­sen Grundgeboten des Rechtsstaats wä­re es nicht ver­ein­bar, wenn der­je­ni­ge, der in gu­tem Glauben ei­ne ver­meint­li­che Straftat bei der Polizei an­zeigt, Nachteile da­durch er­lei­det, dass si­ch nach Einstellung des auf­grund sei­ner Mitteilung ein­ge­lei­te­ten Verfahrens sei­ne Behauptung in ei­nem nach­fol­gen­den Zivilprozess als ob­jek­tiv un­rich­tig oder nicht auf­klär­bar er­weist (BVerfG, NJW 1991, Seiten 1285 f.).

Eine (nicht wis­sent­li­ch un­wah­re oder leicht­fer­ti­ge) Strafanzeige ei­nes Bürgers liegt im all­ge­mei­nen Interesse an der Erhaltung des Rechtsfriedens und an der Aufklärung von Straftaten; der Rechtsstaat kann dar­auf bei der Strafverfolgung nicht ver­zich­ten. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts be­steht so­gar ei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Pflicht des Staates, ei­ne funk­ti­ons­tüch­ti­ge Strafrechtspflege im Interesse der Allgemeinheit zu ge­währ­leis­ten (BVerfG, BVerfGE Band 74, Seiten 257 ff. = NJW 1987, Seiten 1929 f.; BVerfG, BVerfGE Band 46, Seiten 214 ff.; OLG Dresden, FamRZ 2013, Seiten 410 ff.). Das scha­den­sur­säch­li­che Verhalten (Erstattung der Strafanzeige) ge­nießt an­ge­sichts sei­ner ver­fah­rens­recht­li­chen Legalität näm­li­ch die Vermutung der Rechtmäßigkeit. Diese Vermutung muss schon des­halb be­stehen, weil auch die nicht nur for­mal, son­dern auch ma­te­ri­ell be­rech­tig­te Einleitung und Durchführung ei­nes ge­richt­li­chen Verfahrens so­gar ty­pi­scher­wei­se Schadensfolgen ha­ben kön­ne, die über die mit der Rechtsverfolgung er­streb­te Anspruchsdurchsetzung oder Sanktion hin­aus­ge­hen, die der Gegner je­doch er­satz­los hin­neh­men muss (BGH, VersR 1979, Seite 544; OLG Dresden, FamRZ 2013, Seiten 410 ff.; AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.).

Diesen ver­fas­sungs­recht­li­chen Vorgaben hat der Gesetzgeber je­doch durch das Erfordernis der Wissentlichkeit in § 164 StGB (fal­sche Verdächtigung) und durch die Kostenregelung in § 469 Abs. 1 StPO Rechnung ge­tra­gen. Diese Vorschriften ge­währ­leis­ten den Schutz des Betroffenen vor vor­sätz­li­ch fal­schen Verdächtigungen und sol­chen Anzeigen, die leicht­fer­tig, d.h. oh­ne er­kenn­ba­ren Grund er­stat­tet wer­den.

Der § 164 StGB ist auch ein Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB (BVerfG, NJW 2008, Seiten 570 f.; BVerfG, NJW 1991, Seiten 1285 f.; BVerfG, NJW 1987, Seiten 1929 f.; BGH, Urteil vom 28.02.2012, Az.: VI ZR 79/11, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1659 f.; BGH, Urteil vom 07.01.1953, Az.: VI ZR 39/52, u.a. in: LM Nr. 3 zu § 823 (Be) BGB = JZ 1953, Seite 184; OLG Hamm, Streit 2014, Seiten 34 ff.; OLG Dresden, FamRZ 2013, Seiten 410 ff.; OLG Koblenz, NJW-RR 2012, Seiten 600 f.; OLG Hamm, VersR 2007, Seiten 512 f.; OLG Koblenz, NJW-RR 2002, Seiten 1539 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 21.09.1999, Az.: 26 U 10/99, u.a. in: „ju­ris“; OLG Karlsruhe, NStZ-RR 1997, Seiten 37 f.; KG Berlin, VersR 1975, Seite 1030; LG Freiburg/Breisgau, Urteil vom 14.10.2002, Az.: 3 S 191/02; AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.; AG Bremen, NJW-RR 2014, Seiten 207 ff.; AG Hamburg, Urteil vom 13.08.2008, Az.: 7c C 31/07, u.a. in: „ju­ris“; AG Kenzingen, AGS 2003, Seiten 133 f.; AG Hamburg, VersR 1993, Seiten 1363 f. = ZfSch 1994, Seite 164).

Die Klägerin hat vor­lie­gend auch be­wei­sen kön­nen, dass der Beklagte si­ch ei­ner Straftat nach § 164 StGB schul­dig ge­macht hat. Der von dem Beklagten am 03.06.2014, am 26.06.2014 und am 16.09.2014 vor­ge­tra­ge­ne Sachverhalt lässt un­ter Berücksichtigung der Ermittlungsergebnisse in dem ge­gen die Klägerin we­gen ver­such­ter ge­fähr­li­cher Körperverletzung (§ 224 StGB) und/oder Nötigung im Straßenverkehr (§ 240 StGB) durch­ge­führ­ten Strafverfahrens und auf­grund der nun­mehr hier im Zivilverfahren durch­ge­führ­ten Beweisaufnahme näm­li­ch nach Überzeugung des Gerichts den si­che­ren Schluss zu, dass der Beklagte die Klägerin wi­der bes­se­ren Wissens die­ser Straftat ge­gen­über der Polizei ver­däch­tigt hat (OLG Koblenz, NJW-RR 2002, Seiten 1539 ff.).

Das vom hie­si­gen Beklagten durch sei­ne Anzeige in Gang ge­setz­te Strafverfahren ge­gen die nun­meh­ri­ge Klägerin wur­de durch die Staatsanwaltschaft Potsdam (Az.: 4102 Js 36503/14) ge­mäß § 170 Abs. 2 StPO ein­ge­stellt, da ein ge­nü­gen­der Anlass zur Erhebung ei­ner öf­fent­li­chen Klage nicht im Ansatz be­stand hat.

Auch die Beweisaufnahme im nun­meh­ri­gen Zivilprozessverfahren – ins­be­son­de­re die bei­ge­zo­ge­nen Ermittlungsakte der Staatsanwaltschaft und die Vernehmung der Zeugen – hat nach Überzeugung des er­ken­nen­den Gerichts hier ein­deu­tig den Nachweis er­bracht, dass der Beklagte be­wusst am 03. Juni 2014 um 09:27 Uhr mit­tels „INTERNETWACHE-Strafanzeige“ und dann er­neut mit­tels sei­ner po­li­zei­li­chen Zeugenvernehmung vom 26. Juni 2014 und auch an­läss­li­ch der „Wahllichtbildvorlage“ durch die Polizei am 16. September 2014 wi­der bes­se­ren Wissens die Klägerin ei­ner Straftat be­schul­dig­te, die die die Klägerin be­reits am 30. Mai 2014 in der Zeit von 13:45 Uhr bis 13:50 Uhr be­gan­gen ha­ben soll.

Es ist hier we­der er­sicht­li­ch, dass die Klägerin in ih­rem Schreiben vom 23.10.2014 an die Staatsanwaltschaft Potsdam die Unwahrheit vor­ge­tra­gen hat, no­ch ver­mag das Gericht vor­lie­gend fest­zu­stel­len, dass die Aussage des Zeugen E… vom 11.09.2014 bei der Polizei nicht kor­rekt ge­we­sen sei. Insofern hat­te der Zeuge E… aber be­reits am 11.09.2014 aus­ge­sagt, dass die Klägerin am 30. Mai 2014 in der Zeit von 13:45 Uhr bis 13:50 Uhr ge­ra­de no­ch nicht in Netzen war – wie vom hie­si­gen Beklagten in sei­ner Strafanzeige be­haup­tet – son­dern er­st kurz vor 15:00 Uhr dort zu­sam­men mit ih­rem Vater – Herrn L… – mit dem Fahrzeug er­schien.

Protokolle über die Aussagen und an­de­re Urkunden in ei­nem Strafverfahren dür­fen aber stets im Wege des Urkundenbeweises auch in den Zivilprozess ein­ge­führt und dort ge­wür­digt wer­den, wenn dies - wie hier sei­tens des kla­gen­den Landes ge­sche­hen - von der be­weis­pflich­ti­gen Partei be­an­tragt wird (BGH, Urteil vom 12. 11. 2003, Az.: XII ZR 109/01, u.a. in: NJW 2004, Seiten 1324 ff.; BGH, WM 1973, Seiten 560 f.; BAG, NJW 1999, Seiten 81 f; OLG Köln, FamRZ 1991, Seite 580 f. Reichsgericht, Gruch 52, Seiten 446 ff.; OLG Koblenz, AnwBl. 1990, Seiten 215 ff.; Dr. A. Völzmann, Die Bindungswirkung von Strafurteilen im Zivilprozess, Carl Heymanns Verlag, Prozessrechtliche Abhandlungen, Heft 123, Ausgabe 2006, Seite 43).

Die in ei­nem Strafverfahren ge­trof­fe­nen Feststellungen hat das Zivilgericht dann zwar zu wür­di­gen, je­doch kann das Zivilgericht ih­nen auch fol­gen, so­weit nicht ge­wich­ti­ge Gründe für die Unrichtigkeit von den Zivilprozessparteien vor­ge­bracht wer­den (Reichsgericht, Gruch 37, Seite 137; LG Essen, MDR 1947, Seiten 68 f.; OLG Koblenz, AnwBl. 1990, Seiten 215 f.; Dr. A. Völzmann, eben­da, Seite 43). Dieser Grundsatz gilt nicht nur für die Tatsache der Verurteilung bzw. ei­nes Freispruchs an si­ch son­dern auch für die vor dem Strafgericht und/oder bei der Polizei ge­mach­ten Aussagen (BGH, VersR 1970, Seite 375; BGH, VersR 1963, Seite 195; OLG München, VersR 1976, Seite 1143; OLG Köln, MDR 1972, Seite 957).

Ein sol­ches Verständnis wi­der­spricht auch nicht der frei­en rich­ter­li­chen Beweiswürdigung des § 286 Abs. 1 Satz 1 ZPO (Dr. A. Völzmann, eben­da, Seite 43), da es si­ch hier­bei nur um ei­ne Regel han­delt, von der der Zivilrichter je­der­zeit ab­wei­chen darf. Das Zivilgericht darf und kann so­mit aber auch tat­säch­li­che Feststellungen des Strafverfahrens in frei­er Beweiswürdigung nach § 286 Abs. I Satz 1 ZPO über­neh­men (Reichsgericht, Gruch 52, Seiten 446 ff.; BayObLG, BayObLGZ Band 9, Seiten 102 ff.; Dr. A. Völzmann, eben­da, Seite 44). Auch ein­zel­ne Beweisergebnisse des straf­ge­richt­li­chen Verfahrens kön­nen so­mit grund­sätz­li­ch auch ur­kunds­be­weis­li­ch ver­wer­tet wer­den (BGH, VersR 1970, Seite 375; BGH, VersR 1963, Seite 195; BGH, BGHZ Band 1, Seiten 218 ff.; Reichsgericht, RGZ Band 105, Seiten 219 ff.; OLG München, NJW 1972, Seite 2047; OLG München, VersR 1976, Seite 1143; OLG Köln, MDR 1972, Seite 957). Den Parteien ver­bleibt näm­li­ch im­mer no­ch das Recht, an­stel­le des Urkundenbeweises bzw. da­ne­ben auch ei­ne Beweisaufnahme im Zivilverfahren durch die Vernehmung von Zeugen bzw. den Parteien durch den Zivilrichter zu be­an­tra­gen (BGH, BGHZ Band 7, Seite 116; Reichsgericht, JW 1930, Seite 2052; OLG München, NJW 1972, Seiten 2047 f.; KG Berlin, VersR 1972, Seite 104; OLG Bamberg, NJW-RR 2003, Seite 1223). Diese Einschränkung der Verwertungsbefugnis er­gibt si­ch näm­li­ch nicht aus dem Grundsatz der Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme nach § 355 Abs. 1 ZPO, da es ma­te­ri­el­le Unmittelbarkeit der Beweisaufnahme im Zivilprozess – an­ders als im Strafprozess – nicht gibt (Dr. A. Völzmann, eben­da, Seite 44).

Insofern dür­fen die Niederschrift der in ei­nem Strafverfahren pro­to­kol­lier­ten Aussagen auch im Wege des Urkundenbeweises in den Zivilprozess ein­ge­führt wer­den (BGH, NJW-RR 1992, Seiten 1214 ff.; BGH, VersR 1983, Seiten 667 f.; BGH, VersR 1970, Seiten 322 f.; LG Köln, Urteil vom 21.04.2008, Az.: 2 O 684/06, nur teilw. in: NJW-Spezial 2008, Seite 602). Es war dem­entspre­chend auch hier zu­läs­sig, die Akten des Strafverfahrens als Beweisurkunde her­an­zu­zie­hen und die Aussage- und Beweisprotokolle aus dem Strafverfahren so­wie die dor­ti­gen tat­säch­li­chen Feststellungen im hie­si­gen Zivilverfahren zu ver­wer­ten (BGH, NJW-RR 1988, Seiten 1527 f.; BGH, WM 1971, Seite 560; BGH, VersR 1970, Seite 322; BGH, BGHZ Band 7, Seiten 116 f.).

Im Rahmen der frei­en Beweiswürdigung kann das Zivilgericht die­se Zeugenaussagen nach § 286 ZPO auch als Indiz für die Wahrheit mit be­rück­sich­ti­gen (BGH, NJW 1996, Seiten 1299 f.; LG Köln, Urteil vom 21.04.2008, Az.: 2 O 684/06, nur teilw. in: NJW-Spezial 2008, Seite 602). Die in dem straf­recht­li­chen Ermittlungsverfahren ge­trof­fe­nen Feststellungen sind so­mit auch hier im Rahmen der frei­en Beweiswürdigung nach § 286 ZPO als Indiz für die Wahrheit der zu­ge­stan­de­nen Tatsachen zu be­rück­sich­ti­gen (BGH, NJW-RR 2004, Seiten 1001 f.; BGH, NJW 1994, Seiten 3165 ff.; BGH, VersR 1985, Seiten 83 ff.; BAG, NJW 1996, Seiten 1299 f.; KG Berlin, Urteil vom 06.12.2004, Az.: 12 U 10589/99; OLG Koblenz, Urteil vom 18.01.2007, Az.: 6 U 536/06; LG Köln, Urteil vom 21.04.2008, Az.: 2 O 684/06, nur teilw. in: NJW-Spezial 2008, Seite 602). In die­sem Rahmen kann ei­ne Vernehmung ggf. so­gar ei­ne so gro­ße Beweiskraft ent­fal­ten, dass sie zur rich­ter­li­chen Überzeugungsbildung auch dann aus­reicht, wenn die be­weis­be­las­te­te Partei kei­ne wei­te­ren Beweismittel vor­ge­bracht hat (BGH, NJW-RR 2004, Seiten 1001 f.; KG Berlin, Urteil vom 06.12.2004, Az.: 12 U 10589/99; LG Köln, Urteil vom 21.04.2008, Az.: 2 O 684/06, nur teilw. in: NJW-Spezial 2008, Seite 602).

Insoweit hat das Zivilgericht sei­ne Überzeugung zwar grund­sätz­li­ch selbst zu bil­den und ist es da­her an die Tatsachenfeststellungen ei­nes Strafverfahrens nicht ge­bun­den. Das ent­hebt das Zivilgericht je­doch nicht der Pflicht, si­ch je­den­falls mit den im Strafverfahren ge­trof­fe­nen Feststellungen gründ­li­ch aus­ein­an­der zu­set­zen, so­weit die­se für die ei­ge­ne Beweiswürdigung re­le­vant sind (BGH, BGHR, EGZPO § 14 Abs. 2 Nr. 1 Strafurteil 1; OLG Koblenz, AnwBl. 1990, Seiten 215 f., KG Berlin, Beck-RS 2006, 2259 und 2260; OLG Koblenz, Urteil vom 18.01.2007, Az.: 6 U 536/06; LG Köln, Urteil vom 21.04.2008, Az.: 2 O 684/06, nur teilw. in: NJW-Spezial 2008, Seite 602).

Aus die­sem Grunde konn­te auch das hie­si­ge Zivilgericht die Aussage des Zeugen E… vom 11.09.2014 bei der Polizei ver­wer­ten, so dass schon in­so­fern da­von aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass der Beklagte wi­der bes­se­ren Wissens die Klägerin ei­ner Straftat be­schul­dig­te, die die­se am 30. Mai 2014 be­gan­gen ha­ben soll.

Die von ei­ner Partei im Zivilverfahren be­an­trag­te Verwertung ei­ner Urkunde aus ei­nem Strafverfahren im Wege des Urkundenbeweises be­durf­te zu­dem nicht der Zustimmung der Beklagtenseite (BGH, ZIP 1983, Seite 738 = VersR 1983, Seiten 667 f. = VRS Band 65, Seiten 94 ff.). Sogar ge­gen den aus­drück­li­ch er­klär­ten Widerspruch ei­ner Partei ist die Verwertung ei­ner Strafakte näm­li­ch mög­li­ch (BGH, NJW 1985, Seite 1470; BGH, VersR 1983, Seiten 667 f.; BGH, BGHR ZPO § 286 Abs. 1 Strafakten 1 = KTS 1989, Seiten 857 f.). Es war so­mit auch hier grund­sätz­li­ch mög­li­ch, dass das er­ken­nen­de Zivilgericht sei­ne Überzeugungsbildung auch auf den Inhalt der von ihm bei­ge­zo­ge­nen und im Wege des Urkundenbeweises ver­wer­te­ten Strafakte der Staatsanwaltschaft Potsdam stützt.

Aufgrund des Ergebnisses der Beweisaufnahme hat das er­ken­nen­de Gericht hier in­so­fern so­mit be­reits auf­grund der in­so­fern bei­ge­zo­ge­nen Strafakte die Überzeugung ge­won­nen, dass der Beklagte den Tatbestand der fal­schen Verdächtigung (§ 164 StGB) er­füllt hat. Selbst wenn die Schuld des Beklagten in­so­weit nicht im Sinne des StGB die­sem in ei­nem ge­son­der­ten Strafverfahren ein­deu­tig nach­ge­wie­sen wor­den ist, schließt doch die ge­setz­li­che Unschuldsvermutung nicht aus, in ei­nem Zivilverfahren ei­nen da­hin ge­hen­den Tatverdacht nun­mehr fest­zu­stel­len und zu be­wer­ten und dies bei der Entscheidung des Gerichts im Zivilverfahren zu be­rück­sich­ti­gen. Die Unschuldsvermutung ver­bie­tet zwar ge­gen den Beklagten Maßregeln zu ver­hän­gen, die in ih­rer Wirkung ei­ner „Strafe“ gleich kom­men wür­den, oh­ne dass ihm in dem ge­setz­li­ch da­für vor­ge­schrie­be­nen Verfahren straf­recht­li­che Schuld nach­ge­wie­sen wor­den wä­re; je­doch kön­nen Rechtsfolgen, die kei­nen Strafcharakter ha­ben und le­dig­li­ch zi­vil­recht­li­che Ansprüche be­inhal­ten – wie hier die gel­tend ge­mach­ten Schadenersatz- und Schmerzensgeldansprüche – in ei­nem Zivilprozessverfahren an ei­nem ver­blei­ben­den Tatverdacht an­ge­knüpft wer­den, auch wenn es si­ch hier­bei le­dig­li­ch um ei­ne Bewertung der Verdachtslage han­delt (BVerfG, NJW 1990, Seite 2742; BGH, NJW 1999, Seiten 2895 f.; OLG Celle, OLG-Report 2000, Seiten 195 ff.; OLG Köln, NJW-RR 2002, Seiten 1392 f.; OLG Hamm, OLG-Report 2001, Seite 231; OLG Köln, FamRZ 1991, Seiten 580 f.; OLG Koblenz, AnwBl. 1990, Seiten 215 ff.; LG Potsdam, Urteil vom 27.07.2000, Az.: 3 S 26/00).

Die Unschuldsvermutung schützt den hie­si­gen Beklagten dem­entspre­chend zwar vor Nachteilen, die Schuldspruch oder Strafe gleich kom­men. Sie schließt es in­des aber nicht aus, in ei­nem Zivilprozessverfahren ei­nen Tatverdacht fest­zu­stel­len und zu be­wer­ten und dies bei der Entscheidung des Zivilgerichts zu be­rück­sich­ti­gen (BVerfG, NJW 1990, Seite 2742; BVerfG, NStZ 1992, Seite 238; BGH, NJW 1999, Seiten 2895 f.; OLG Celle, OLG-Report 2000, Seiten 195 ff; OLG Köln, OLG-Report 2002, Seiten 197 f.; OLG Köln, FamRZ 1991, Seiten 580 f.; OLG Koblenz, AnwBl. 1990, Seiten 215 ff.; LG Potsdam, Urteil vom 27.07.2000, Az.: 3 S 26/00).

Ein Schadenersatz- und Schmerzensgeldanspruch der Klägerin schei­det hier dem­entspre­chend nicht schon des­halb aus, weil ei­ne Verurteilung des Beklagten nach § 164 StGB nicht er­folgt ist. Vielmehr hat das er­ken­nen­de Zivilgericht auf­grund der bei­ge­zo­ge­nen Strafakte und der durch­ge­führ­ten Beweisaufnahme hier die Überzeugung ge­won­nen, dass der Beklagte die ihm durch die Klägerin kon­kret zur Last ge­leg­te Straftat im Sinne des § 164 StGB auch be­gan­gen hat.

Die Klägerin hat im Rahmen ih­rer per­sön­li­chen Anhörung in­so­fern zu Protokoll er­klärt, dass sie nach dem Frühstück zum Einkaufs-Center nach Wust ge­fah­ren sei, um dort die Einkäufe zu er­le­di­gen. Sie ha­be dann die Bitte ge­äu­ßert, dass sie mit ih­rer Familie doch mal zum „Beetzsee-Center“ nach Brandenburg an der Havel fah­ren sol­len, da dort ein neu­er Hage-Baumarkt er­öff­net ha­be und sie si­ch die­sen Baumarkt an­schau­en wol­le. Sie sei dann auch mit ih­rer Familie – d.h. ih­rem Vater, ih­rer Mutter, ih­rer Oma und ih­rem Bruder – zum „Beetzsee-Center“ nach Brandenburg an der Havel ge­fah­ren. Es sei dann ziem­li­ch spät ge­wor­den, so dass sie – die Klägerin – ge­gen 14:30 Uhr dann ge­sagt ha­be, dass sie al­le wie­der nach Hause müss­ten, da die Hunde „ihr Geschäft“ er­le­di­gen müss­ten. Sie und ih­re Familie sei­en dann so ge­gen 14:30 Uhr von dem Hage-Baumarkt los­ge­fah­ren und er­st so ge­gen 15:00 Uhr in Netzen an­ge­kom­men. Auch sei sie nur Beifahrerin und nicht die Fahrerin des Fahrzeugs ge­we­sen.

Der Zeuge L… hat zu­dem ent­spre­chend der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Nullhypothese sub­jek­tiv aus sei­ner Sicht wi­der­spruchs­frei und kon­stant – ins­be­son­de­re in Bezug auf das Kerngeschehen –, im frei­en Bericht, ho­mo­gen, in lo­gi­scher Konsistenz, in­di­vi­du­ell, je­doch auch un­ter Einräumung von ge­wis­sen Erinnerungslücken so­wie Schilderungen von ne­ben­säch­li­chen Details, mit ge­wis­sen Gedankensprüngen in un­ge­ord­ne­ter Erzählweise mit spon­ta­nen Verbesserungen, un­ter Verknüpfung von räum­li­chen und zeit­li­chen Bedingungen un­ter Berücksichtigung sei­ner all­ge­mei­nen und sprach­li­chen in­tel­lek­tu­el­len Leistungsfähigkeit und sei­ner Kenntnisse in Bezug auf die­sen Bereich auch un­ter Beachtung von et­wai­gen Motivationen er­leb­nis­be­zo­gen so­wie sach­ge­recht, oh­ne Neigung zu ei­ner Dramatisierung, frei von in­ne­ren Widersprüchen (sog. Realitätskriterien) so­wie wohl auch frei von Wahrnehmungsfehlern un­ter Beachtung von Warnsignalen, und in­so­weit für das er­ken­nen­de Gericht glaub­haft - oh­ne dass da­bei ei­ne „Mathematisierung“ der Glaubhaftigkeitsbeurteilung vor­zu­neh­men ist - (BGH, NJW 1999, Seiten 2746 ff.; BGH, NStZ-RR 2002, Seite 308; BGH, NJW 2003, Seiten 2527 ff.; BGH, NStZ 2008, Seiten 116 f.; OLG Stuttgart, NJW 2006, Seiten 3506 f.; OLG Koblenz, NJW-RR 2004, Seiten 1318 ff.) aus­ge­sagt, dass er zu­sam­men mit der Klägerin in Wust in dem dor­ti­gen Einkaufszentrum an dem streit­be­fan­ge­nen Tag war und sie dann auch no­ch zum „Beetzsee-Center“ in Brandenburg an der Havel ge­fah­ren sei­en. Von dort sei­en sie zwar dann wie­der zu­rück ge­fah­ren nach Netzen. Als er und die Klägerin aber dann in Netzen an­ge­kom­men sei­en, sei kei­ne an­de­re Person dort zu se­hen ge­we­sen. Auch den nun­meh­ri­gen Beklagten ha­be er nicht ge­se­hen. Er und die Klägerin sei­en auch er­st so ge­gen 14:15 Uhr bis 14:30 Uhr vom „Beetzsee-Center“ in Brandenburg an der Havel los­ge­fah­ren und dann auch er­st so ge­gen 15:10 Uhr bis 15:15 Uhr in Netzen an­ge­kom­men, nicht aber schon in der Zeit von 13:45 Uhr bis 13:50 Uhr.

Zwar gel­ten für das er­ken­nen­de Gericht nicht die strik­ten me­tho­di­schen Vorgaben, die für den aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Sachverständigen und sei­ne hy­po­the­sen­ge­lei­te­te Begutachtung als Standard gel­ten, son­dern nur der Grundsatz der frei­en Beweiswürdigung (§ 286 ZPO; BGH, BGHSt Band 45, Seite 164; BGH, NStZ-RR 2003, Seiten 206 ff.). Mitbestimmend hier­für sind in­des aber auch die in der Rechtsprechung ent­wi­ckel­ten all­ge­mei­nen Anforderungen, dass ins­be­son­de­re die Beweiswürdigung auch in­so­weit je nach der Beweislage er­schöp­fend zu sein hat, so dass sie nicht den an­er­kann­ten Erfahrungssätzen der Aussagepsychologie wi­der­strei­ten darf. Entsprechend die­sen Rechtsgrundsätzen hat das Gericht hier aber den per­sön­li­chen Eindruck ge­won­nen, dass der Zeuge L… über ein un­mit­tel­bar er­leb­tes Geschehen be­rich­tet hat. So wie die­ser Zeuge an­läss­li­ch sei­ner Vernehmung wirk­te, hält das Gericht es für na­he­zu aus­ge­schlos­sen, dass si­ch der Zeuge dies al­les nur zu Gunsten der Klägerin aus­ge­dacht und/oder die Unwahrheit ge­sagt hat. Seine Aussage war in si­ch schlüs­sig und nach­voll­zieh­bar und ent­spricht auch dem, was die üb­ri­gen Zeugen aus­ge­sagt ha­ben.

Der Zeuge E… hat zu­dem eben­so glaub­haft aus­ge­sagt, dass er si­ch an die­sen Tag nach Himmelfahrt no­ch gut er­in­nern kön­ne, da er mit dem Zeugen L… ver­ein­bart hat­te, dass sie an ei­ner Wasserpumpe et­was ma­chen müss­ten. Er sei dann schon so ge­gen 13:30 Uhr oder 13:35 Uhr dort auf dem Grundstück des Zeugen L… ge­we­sen. Zu die­sem Zeitpunkt sei aber no­ch nie­mand an­de­res auf dem Grundstück ge­we­sen. Er – der Zeuge E… – ha­be aber ge­wusst, dass der Zeuge L… spä­ter kom­men wür­de. In die­ser Zeit ha­be er dann die Pumpe ge­macht und da­na­ch dann auf den Zeugen L… ge­war­tet. Bis ca. 14:45 Uhr oder 15:00 Uhr ha­be er dort auf dem Grundstück des Zeugen L… ge­war­tet, als dann der Zeuge L… et­wa ge­gen 14:45 Uhr oder 15:00 Uhr ge­kom­men sei. Ich ha­be dann auch ge­se­hen, wie Herr L… mit dem Auto an­ge­fah­ren kam. Auch sei der Zeuge L… selbst mit dem PKW der Marke Fiat ge­fah­ren und ha­be die Klägerin auf dem Beifahrersitz ge­ses­sen, sei al­so nicht selbst ge­fah­ren. Auch ha­be er an­sons­ten kei­ne wei­te­ren Personen dort im nä­he­ren Umfeld ge­se­hen. Auch hät­ten in die­sem PKW die Ehefrau des Zeugen L… so­wie die Oma und der Bruder der Klägerin ge­ses­sen, so dass in dem PKW ins­ge­samt 5 Personen ge­ses­sen ha­ben.

Bei ei­ner Gesamtwürdigung al­ler Umstände ge­nü­gen die­se Aussagen der Zeugen dem­entspre­chend aber un­ter Berücksichtigung der Feststellungen des Ermittlungsverfahrens, um das Gericht von der Wahrheit der Behauptung der Klägerin hier zu über­zeu­gen.

Die Klägerseite hat da­mit aber den ihr ob­lie­gen­den Beweis er­bracht. Im Rahmen der frei­en Beweiswürdigung des § 286 ZPO ist näm­li­ch für die er­for­der­li­che Überzeugung des Richters kei­ne ab­so­lu­te oder un­um­stöß­li­che Gewissheit und auch kei­ne „an Sicherheit gren­zen­de Wahrscheinlichkeit“ er­for­der­li­ch, son­dern nur ein für das prak­ti­sche Leben brauch­ba­rer Grad von Gewissheit, der Zweifeln Schweigen ge­bie­tet (BGH, NJW 2003, Seite 1116; BGH, NJW 1970, Seite 946; BGH, VersR 1977, Seite 721; KG Berlin, NJW 1989, Seite 2948). Dabei hat si­ch das er­ken­nen­de Gericht auch auf den Inhalt der bei­ge­zo­ge­nen Strafakte ge­stützt. Bei der Ermittlung und Feststellung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tatsachen hat das er­ken­nen­de Gericht den Sachverhalt so­weit wie mög­li­ch zu er­for­schen ver­sucht und zu­gleich bei der Erörterung des Beweisstoffs ver­sucht, al­le we­sent­li­chen Umstände zu be­rück­sich­ti­gen so­wie bei der Beweiswürdigung die ge­setz­li­chen Beweisregeln, Denkgesetze und all­ge­mei­nen Erfahrungssätze zu be­ach­ten und hier­bei die Beweisanforderungen we­der zu hoch no­ch zu nied­rig an­zu­set­zen. Aufgrund des­sen ist das Gericht hier in­so­fern aber nun­mehr da­von über­zeugt, dass der Beklagte (ggf. auch we­gen der nach­bar­recht­li­chen Streitigkeiten in die­ser Bungalow-Siedlung) ver­such­te, durch sei­ne Strafanzeige die Klägerin zu be­las­ten.

Wer aber – wie hier der Beklagte ent­spre­chend dem Ergebnis der Beweisaufnahme in dem Zivilprozessverfahren – ei­ne fal­sche Verdächtigung be­geht, haf­tet hier­für nach § 823 Abs. 2 BGB auch für die Schäden, die aus die­ser Verletzung ent­stan­den sind (BGH, NJW 1975, Seite 50; BGH, VersR 1971, Seiten 820 f.; BGH, BGHZ Band 8, Seiten 288 ff.; BGH, Urteil vom 07.01.1953, Az.: VI ZR 39/52, u.a. in: LM Nr. 3 zu § 823 (Be) BGB = JZ 1953, Seite 184; OLG Hamm, Streit 2014, Seiten 34 ff.; OLG Dresden, FamRZ 2013, Seiten 410 ff.; OLG Koblenz, NJW-RR 2012, Seiten 600 f.; OLG Hamm, VersR 2007, Seiten 512 f.; OLG Koblenz, NJW-RR 2002, Seiten 1539 ff.; OLG Köln, NJW-RR 2002, Seiten 1392 f.; OLG Hamm, Urteil vom 08.05.2000, Az.: 13 U 7/00, u.a. in: „ju­ris“; OLG Brandenburg, NJW 2000, Seiten 3579 f.; OLG Dresden, OLG-Report 2000, Seiten 508 ff.; OLG Celle, OLG-Report 2000, Seiten 195 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 21.09.1999, Az.: 26 U 10/99, u.a. in: „ju­ris“; OLG Karlsruhe, Die Justiz 1999, Seite 445; OLG Karlsruhe, NStZ-RR 1997, Seiten 37 f.; KG Berlin, VersR 1975, Seite 1030; AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.; AG Bremen, NJW-RR 2014, Seiten 207 ff.; AG Hamburg, Urteil vom 13.08.2008, Az.: 7c C 31/07, u.a. in: „ju­ris“; AG Kenzingen, AGS 2003, Seiten 133 f.; AG Hamburg, VersR 1993, Seiten 1363 f.).

Der Beklagte ist so­mit hier der Klägerin ge­gen­über für die be­gan­ge­ne Tat auch grund­sätz­li­ch dann er­satz­pflich­tig (BGH, VersR 1977, Seite 183; BGH, Urteil vom 07.01.1953, Az.: VI ZR 39/52, u.a. in: LM Nr. 3 zu § 823 (Be) BGB = JZ 1953, Seite 184; Reichsgericht, GruchB 51, Seite 990; OLG Hamm, Streit 2014, Seiten 34 ff.; OLG Dresden, FamRZ 2013, Seiten 410 ff.; OLG Koblenz, NJW-RR 2012, Seiten 600 f.; OLG Hamm, VersR 2007, Seiten 512 f.; OLG Koblenz, NJW-RR 2002, Seiten 1539 ff.; OLG Köln, NJW-RR 2002, Seiten 1392 f.; OLG Hamm, OLG-Report 2001, Seite 231; OLG Celle, OLG-Report 2000, Seiten 195 ff.; OLG Düsseldorf, Urteil vom 21.09.1999, Az.: 26 U 10/99, u.a. in: „ju­ris“; KG Berlin, VersR 1975, Seite 1030; AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.; AG Bremen, NJW-RR 2014, Seiten 207 ff.; AG Hamburg, Urteil vom 13.08.2008, Az.: 7c C 31/07, u.a. in: „ju­ris“; AG Pinneberg, SchlHA 2003, Seiten 143 f.; AG Kenzingen, AGS 2003, Seiten 133 f.; AG Hamburg, VersR 1993, Seiten 1363 f.).

Der Beklagte hat hier näm­li­ch ent­spre­chen dem Ergebnis der Beweisaufnahme ge­zielt die Klägerin ei­ner Straftat ver­däch­tigt, in­dem er die­se bei der Polizei wi­der bes­se­res Wissen an­ge­zeigt hat. Damit aber über­trat er die Strafbestimmung des § 164 StGB, han­del­te al­so ei­nem Schutzgesetz im Sinne des § 823 Abs. 2 BGB zu­wi­der, wel­ches die ge­schä­dig­te Klägerin schüt­zen woll­te.

In Folge des­sen haf­tet der Beklagte auch für den Schaden, der durch die­se Handlung ver­ur­sacht wor­den ist. Darauf, ob er den kon­kre­ten Schaden, wel­cher die Folge der von ihm be­gan­ge­nen Verletzung der Schutzgesetze war, vor­aus­se­hen konn­ten, kommt es zu­dem nicht an (BGH, NJW 1972, Seiten 40 ff.; BGH, NJW 1968, Seite 1279; Reichsgericht, RGZ Band 69, Seiten 340 ff.; OLG Köln, NJW-RR 2002, Seiten 1392 f.; OLG Hamm, OLG-Report 2001, Seite 231).

Ein Ausschluss der Verantwortlichkeit (§ 827 BGB) ist im Übrigen we­der vor­ge­tra­gen no­ch son­st er­sicht­li­ch. Zudem hät­te dies sei­ne Schuldfähigkeit grund­sätz­li­ch auch nicht ver­min­dert (OLG Naumburg, Urteil vom 13.12.2001, Az.: 4 U 120/01, u.a. in: NJOZ 2002, Seiten 1372 ff. = „ju­ris“). Dass der Beklagte in die­se Straftat oh­ne sein Verschulden „hin­ein­ge­zo­gen“ wor­den ist, ist im Übrigen dem er­ken­nen­den Gericht auch nicht er­sicht­li­ch. Dies müss­te zu­dem der Beklagte be­wei­sen (BGH, MDR 2001, Seiten 887 f. = r+s 2002, Seite 43).

Die Strafvorschrift des § 164 StGB setzt zwar vor­aus, dass der Täter ei­nem an­de­ren – ob­jek­tiv un­wahr und wi­der bes­se­res Wissen – ei­ne rechts­wid­ri­ge Tat (§ 11 Abs. 1 Nr. 5 StGB) zur Last legt (§ 164 Abs. 1 StGB) oder sons­ti­ge Behauptungen tat­säch­li­cher Art auf­stellt, die ge­eig­net sind, ein be­hörd­li­ches Verfahren oder an­de­re be­hörd­li­che Maßnahmen ge­gen den Verdächtigten her­bei­zu­füh­ren oder fort­dau­ern zu las­sen (§ 164 Abs. 2 StGB). Für be­hörd­li­che Verfahren und an­de­re be­hörd­li­che Maßnahmen ge­nü­gen kei­ne Vermutungen, Werturteile oder Schlussfolgerungen. Nur „zu­rei­chen­de tat­säch­li­che Anhaltspunkte“ kön­nen ein straf­recht­li­ches Ermittlungsverfahren (§ 152 Abs. 2 StPO) aus­lö­sen (KG Berlin, NStZ-RR 2006, Seiten 276 f. = StraFo 2006, Seiten 413 ff.).

Eine Verdächtigung im Sinne von § 164 StGB liegt aber grund­sätz­li­ch be­reits dann vor, wenn das ge­sam­te tat­säch­li­che Vorbringen des Täters nicht nur nach sei­ner per­sön­li­chen Auffassung, son­dern nach objektiv-richtiger Würdigung ei­nen Verdacht her­vor­ruft oder ver­stärkt (OLG Karlsruhe, OLGSt Nr. 2 zu § 164 StGB; OLG Karlsruhe, NStZ-RR 1997, Seiten 37 f.; KG Berlin, NStZ-RR 2006, Seiten 276 f.). Die auf Tatsachen ge­stütz­te Verdächtigung muss dem Denunzierten ein be­stimm­tes, durch in­di­vi­du­el­le Merkmale kon­kre­ti­sier­tes Verhalten zur Last le­gen, das bei ent­spre­chen­der Subsumtion den Verdacht ei­ner Straftat be­grün­den kann (OLG Karlsruhe, NStZ-RR 1997, Seiten 37 f.; KG Berlin, NStZ-RR 2006, Seiten 276 f.). Wertende Behauptungen er­fül­len die­se Voraussetzung zu­dem nur, wenn sie in er­kenn­ba­rer Weise zu „greif­ba­ren, des Beweises fä­hi­gen Tatsachen“ in Beziehung ge­setzt wer­den (OLG Karlsruhe, OLGSt Nr. 2 zu § 164 StGB; KG Berlin, NStZ-RR 2006, Seiten 276 f.).

Einfache Fahrlässigkeit ge­nügt zwar da­na­ch nicht, um den Anzeiger mit den Kosten des von ihm ver­an­lass­ten straf­recht­li­chen Verfahrens zu be­las­ten. Die er­ho­be­nen Vorwürfe wer­den in ei­nem mit rechts­staat­li­chen Garantien aus­ge­stat­te­ten Verfahren über­prüft, dem si­ch je­der be­trof­fe­ne Staatsbürger bei Vorliegen des Verdachts ei­ner Straftat stel­len muss (BVerfG, NJW 1991, Seiten 1285 f.; BVerfG, BVerfGE Band 74, Seiten 257 ff.).

Dessen un­ge­ach­tet kann aber ei­ne fal­sche Verdächtigung so­gar ob­jek­tiv auch in der Angabe wah­rer Tatsachen lie­gen, wenn zu­gleich Umstände ver­schwie­gen wer­den, die für die Beurteilung durch den Adressaten von we­sent­li­cher Bedeutung sind (BVerfG, NJW 2008, Seiten 570 f.).

Zwar be­deu­tet „wi­der bes­se­res Wissen“ im Sinne von § 164 StGB auch, dass der Beklagte si­cher wuss­te, dass sei­ne Behauptung tat­säch­li­cher Art un­wahr ist (BVerfG, NJW 1991, Seiten 1285 f.; Reichsgericht, RGSt Band 32, Seiten 302 f.); fahr­läs­si­ges oder be­dingt vor­sätz­li­ches Handeln ge­nügt al­so no­ch nicht, da fahr­läs­si­ge Delikte nur straf­bar sind, so­weit dies ge­son­dert be­stimmt ist. Aus die­sem Grunde muss bei fal­scher Verdächtigung ge­mäß § 164 StGB ei­ne vor­sätz­li­che Begehungsform vor­ge­tra­gen wer­den (AG Hamburg, Urteil vom 13.08.2008, Az.: 7c C 31/07, u.a. in: „ju­ris“). Auch trägt die Klägerin hier für das Vorliegen ei­ner sol­chen Pflichtverletzung des Beklagten nach den all­ge­mei­nen Regeln die Darlegungs- und Beweislast (OLG Hamm, Beschluss vom 24.05.2013, Az.: I-9 U 197/12, u.a. in: Streit 2014, Seiten 34 f.; OLG Dresden, FamRZ 2013, Seiten 410 ff.).

Insofern ist der Schadenersatzanspruch der Klägerin hier aber auch zu be­ja­hen, zu­mal die Strafanzeige des Beklagten be­wusst un­wahr ge­we­sen ist und die oben nä­her dar­ge­leg­ten Grundsätze auch für Äußerungen ge­gen­über Strafverfolgungsbehörden gel­ten (BVerfG, NJW-RR 2007, Seite 840; BVerfG, NJW 1991, Seiten 29 f.; BGH, Urteil vom 28.02.2012, Az.: VI ZR 79/11, u.a. in: NJW 2012, Seiten 1659 f.; BGH, NJW 1986, Seiten 2502 f.; BGH, NJW 1962, Seiten 243 f.).

Ein der­ar­ti­ger Fall ist aber nach den vom Gericht hier ge­trof­fe­nen Feststellungen ge­ge­ben. Der Beklagte muss näm­li­ch ge­wusst ha­ben, dass am 30. Mai 2014 in der Zeit von 13:45 Uhr bis 13:50 Uhr die „Tochter der Familie L…“ – mit­hin die Klägerin – ge­ra­de nicht „mit Absicht no­ch Gas ge­ge­ben hat um“ ihn – den Beklagten – „um­zu­fah­ren“, da – ent­spre­chend dem Ergebnis der Beweisaufnahme – zu die­ser Zeit we­der die Klägerin selbst no­ch das Fahrzeug ih­rer Familie dort vor Ort in Netzen wa­ren. Im vor­lie­gen­den Fall er­gibt si­ch so­mit aus dem Sachvortrag der Parteien un­ter Hinzuziehung der Strafakte und des Ergebnisses der Beweisaufnahme aus­rei­chen­de Anhaltspunkt da­für, dass der Beklagte hier wi­der bes­se­ren Wissens bei der Erstattung der Strafanzeige ge­gen die Klägerin ge­han­delt hat.

Dabei muss dem Beklagten auch klar ge­we­sen sein, dass der zu­stän­di­ge Polizeibeamte auf­grund der Anzeige da­von aus­ge­hen mus­s­te, dass die Klägerin si­ch der ver­such­ten ge­fähr­li­chen Körperverletzung (§ 224 StGB) bzw. der Nötigung im Straßenverkehr (§ 240 StGB) schul­dig ge­macht ha­be, so dass des­halb dann auch Ermittlungen ge­gen die Klägerin ein­ge­lei­tet wür­den. Damit ist aber hier auch fest­zu­stel­len, dass der Beklagte auch ge­wusst ha­ben muss, dass sei­ne Strafanzeige für die recht­li­che Beurteilung von we­sent­li­cher Bedeutung war (BVerfG, NJW 2008, Seiten 570 f.).

Für ei­ne zu­min­dest sub­jek­tiv, wi­der bes­se­ren Wissens durch den Beklagten er­folg­te Strafanzeige spricht zu­dem auch, dass er auch no­ch nach sei­ner „INTERNETWACHE-Strafanzeige“ vom 03.06.2014 dann er­neut bei sei­ner po­li­zei­li­chen Zeugenvernehmung vom 26.06.2014 und auch an­läss­li­ch der „Wahllichtbildvorlage“ durch die Polizei am 16.09.2014 wi­der bes­se­ren Wissens die Klägerin die­ser Straftat be­schul­dig­te. Schließlich sind auch die Feststellungen der Staatsanwaltschaft mit zu be­ach­ten, dass der Klägerin hier die­se Straftat nicht an­zu­las­ten ist. Insofern war die Klägerin als Verdächtigte so­mit tat­säch­li­ch nicht Täterin der ihr vom Beklagten vor­ge­wor­fe­nen rechts­wid­ri­gen Tat (BGH, BGHSt Band 35, Seite 50; OLG Rostock, NStZ 2005, Seite 335 = StraFo 2005, Seite 81).

Das Gericht hält die hier ge­ge­be­nen Tatsachen für die Begründung ei­ner Strafbarkeit ge­mäß § 164 Abs. 1 StGB für aus­rei­chend (BVerfG, NJW 2008, Seiten 570 f.). Vor die­sem Hintergrund wür­de es auf Einlassungen des Beklagten in­so­weit nur dann an­kom­men, wenn ggf. ein dar­in lie­gen­de Subsumtionsirrtum bei Verkennung des so­zia­len Bedeutungsgehalts des Anzeigens den Vorsatz aus­schlie­ßen oder an­sons­ten ei­nen un­ver­meid­ba­ren Verbotsirrtum be­grün­den könn­te. Beide Konsequenzen lehnt das er­ken­nen­de Gericht hier aber ab. Dass der Beklagte „si­cher da­von über­zeugt ge­we­sen sei“, dass die Klägerin ei­ne Straftat be­gan­gen hat, und der Beklagte al­so den so­zia­len Sinn sei­nes Tuns nicht er­kannt ha­be, schließt das Gericht aus, weil die Motivation für die Anzeigeerstattung durch den Beklagten wohl in den nicht un­er­heb­li­chen und be­reits mehr­fach ge­richts­häng ge­wor­de­nen Nachbarrechtsstreiten se­hen ist. Auch ein et­wai­ger Verbotsirrtum lag hier auf Seiten des Beklagten nicht vor.

Im Übrigen ge­hört die Einleitung ei­nes Ermittlungsverfahrens oder ei­ner an­de­ren be­hörd­li­chen Maßnahme ge­gen den fal­sch Verdächtigten nicht zur Vollendung der Straftat ge­mäß § 164 StGB und liegt die­se so­mit schon dann vor, wenn die Verdächtigung bei ei­ner Behörde oder ei­nem zur Entgegennahme von Anzeigen zu­stän­di­gen Beamten ein­ge­gan­gen oder münd­li­ch an­ge­bracht ist (OLG Düsseldorf, NJW 2000, Seiten 3582 f.).

Zwar ist auch an­er­kannt, dass es bei ei­ner Verdächtigung der Vollendung der Tat ent­ge­gen­steht, wenn die Anzeige no­ch recht­zei­tig wi­der­ru­fen wird, d.h., wenn Anzeige und Widerruf zu­sam­men­tref­fen (OLG Düsseldorf, NJW 2000, Seiten 3582 f.; Reichsgericht, GA 52, Seite 246). Dasselbe gilt, wenn der Verdächtigende sei­ne münd­li­che Erklärung durch ei­ne no­ch mit sei­ner Behauptung in zeit­li­chem und räum­li­chem Zusammenhang ste­hen­de Gegenerklärung bei ei­ner no­ch nicht ab­ge­schlos­se­nen po­li­zei­li­chen Vernehmung rich­tig stellt (OLG Düsseldorf, NJW 2000, Seiten 3582 f.; OLG Hamm, JMBlNW 1964, Seite 129). Dies ist im vor­lie­gen­den Fall aber auch un­strei­tig nicht durch den Beklagten ge­sche­hen.

Insoweit kann die Klägerin hier auch die ihr für ih­re Verteidigung ent­stan­de­nen Kosten in Höhe von un­strei­tig 386,75 Euro als Schadensersatzanspruch von dem Beklagten er­setzt ver­lan­gen, da der Beklagte ei­ne fal­sche Anschuldigung ge­gen die Klägerin er­ho­ben hat­te. Auch § 469 StPO steht dem nicht ent­ge­gen (LG Freiburg/Breisgau, Urteil vom 14.10.2002, Az: 3 S 191/02; AG Kenzingen, Urteil vom 19.03.2002, Az: 1 C 108/01, u.a. in: AGS 2003, Seiten 133 f.).

Die ge­schä­dig­te Klägerin kann da­her hier im Wege des Schadensersatzes die Aufwendungen vom Beklagten er­setzt ver­lan­gen, die zur Wahrung und Durchsetzung ih­rer Rechte er­for­der­li­ch und zweck­mä­ßig wa­ren, mit­hin auch die ihr ent­stan­de­nen Rechtsanwaltskosten (BGH, Urteil vom 04.05.2011, Az.: VIII ZR 171/10, u.a. in: NJW 2011, Seiten 2871 f.; BGH, Urteil vom 06.10.2010, Az.: VIII ZR 271/09, u.a. in: NJW 2011, Seite 296 BGH, NJW 1995, Seite 446; BGH, NJW 1986, Seite 2243; OLG Koblenz, NJW-RR 2002, Seiten 1539 ff.; AG Ibbenbüren, DAR 2014, Seiten 330 f.). Der Klägerin steht da­her ge­gen­über dem Beklagten hier nach wie vor no­ch ein Anspruch auf Freistellung hin­sicht­li­ch die­ser Rechtsanwaltskosten in Höhe von 386,75 Euro zu.

Bei dem hier durch die Klägerseite aus ab­ge­tre­te­nen Recht u.a. no­ch gel­tend ge­mach­ten Zahlungsanspruch ge­gen­über dem Beklagten be­züg­li­ch der dem Kfz-Halter ent­stan­de­nen Rechtsanwaltskosten in Höhe von 150,00 Euro ist die Klage je­doch ab­zu­wei­sen. Der Beklagte hat näm­li­ch un­strei­tig nicht den männ­li­chen Halter des Fahrzeugs der Familie der Klägerin wi­der bes­se­ren Wissens ei­ner Straftat ge­gen­über der Polizei ver­däch­tigt. Vielmehr wur­de er als Halter des Kraftfahrzeugs von der Polizeidirektion des Landes Brandenburg mit Schreiben vom 30.06.2014 ge­be­ten, „den/die Fahrzeugführer/in“ mit­zu­tei­len, mit­hin nur in­for­ma­to­ri­sch an­ge­hört. Diese „Bitte“ der Polizei stellt aber kei­ne Straftat des Beklagten im Sinne des § 164 StGB dar. Auch hät­te es im Übrigen für die­se ein­fa­che in­for­ma­to­ri­sche Mitteilung wohl nicht der recht­li­chen Beratung durch ei­nen Rechtsanwalt be­durft, zu­mal auch Angaben bei ei­ner (nur) in­for­ma­to­ri­schen Befragung un­ter das Verwertungsverbot des § 252 StPO fal­len (BayObLG, NStZ 2005, Seite 468).

Nach herr­schen­der Rechtsprechung sind Aufwendungen, die ei­ne Person aus von si­ch aus un­ter­nimmt aber nur dann zu er­set­zen, wenn sie aus der Sicht ei­nes ver­stän­di­gen Menschen er­for­der­li­ch er­schei­nen (BGH, NJW 1990, Seiten 2060 ff.; LG Traunstein, Urteil vom 07.07.2010, Az.: 5 S 2956/09, BeckRS 2011, Nr.: 14960). Bei ei­ner Anfrage der Polizei ge­gen­über dem Halter ei­nes Kraftfahrzeugs be­züg­li­ch der Fahrerin die­ses Fahrzeugs be­darf es aber in der Regel ei­ner an­walt­li­chen Hilfe nicht, so dass die Kosten für ei­nen gleich­wohl durch den Kfz-Halter be­auf­trag­ten Rechtsanwalt dann auch nicht zu er­stat­ten sind (vgl. ana­log: BGH, Urteil vom 18.12.2015, Az.: V ZR 160/14, u.a. in: NJW 2016, Seite 863; BGH, Urteil vom 06.10.2010, Az.: VIII ZR 271/09, u.a. in: NJW 2011, Seite 296; AG Dieburg, NJW-RR 2013, Seite 932) und nun­mehr die hie­si­ge Klage in­so­fern in Höhe von 150,00 Euro auch ab­zu­wei­sen ist.

Nach der herr­schen­den Rechtsprechung kön­nen zwar durch schuld­haf­te Pflichtverletzungen ver­ur­sach­te Beeinträchtigungen des Persönlichkeitsrechts auch ei­nen Anspruch auf Geldentschädigung in Form von Schmerzensgeld be­grün­den (BGH, Urteil vom 23.10.2003, Az.: III ZR 9/03, u.a. in: NJW 2003, Seiten 3693 ff.; BGH, NJW 1994, Seiten 1950 ff.; BGH, NJW 1981, Seite 675; BGH, VersR 1972, Seiten 368 f.). Ein sol­cher Anspruch kommt al­ler­dings nur dann in Betracht, wenn es si­ch um ei­nen schwer­wie­gen­den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht han­delt (BGH, Urteil vom 23.10.2003, Az.: III ZR 9/03, u.a. in: NJW 2003, Seiten 3693 ff.; BGH, NJW 1994, Seiten 1950 ff.; BGH, NJW 1981, Seite 675; BGH, VersR 1972, Seiten 368 f.). Ob ei­ne schwer­wie­gen­de Verletzung des Persönlichkeitsrechts vor­liegt, die die Zahlung ei­ner Geldentschädigung er­for­dert, ist in­so­fern auf­grund der ge­sam­ten Umstände des Einzelfalls zu be­ur­tei­len und hängt ins­be­son­de­re von der Bedeutung und der Tragweite des Eingriffs, fer­ner von Anlass und Beweggrund der Handelnden so­wie von dem Grad des Verschuldens ab (BGH, Urteil vom 23.10.2003, Az.: III ZR 9/03, u.a. in: NJW 2003, Seiten 3693 ff.; BGH, NJW 1994, Seiten 1950 ff.).

Die Beurteilung nach die­sen Kriterien, ob der Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Klägerin hier so schwer wog, dass die­ser Eingriff die Verhängung ei­nes Schmerzensgelds ver­langt, ist je­doch vor­lie­gend zu ver­nei­nen. Schwere Verletzungen des Persönlichkeitsrechts sind in der Rechtsprechung näm­li­ch vor al­lem dann an­ge­nom­men wor­den, wenn durch Veröffentlichung in der Presse die Allgemeinheit oder we­nigs­tens ein wei­ter, nicht ab­ge­grenz­ter Personenkreis von dem ver­let­zen­den Tatbestand Kenntnis er­hal­ten hat (BGH, Urteil vom 23.10.2003, Az.: III ZR 9/03, u.a. in: NJW 2003, Seiten 3693 ff.; BGH, NJW 1981, Seiten 675 ff.; BGH, VersR 1972, Seite 368; OLG München, Urteil vom 06.06.2013, Az.: 24 U 4364/12, u.a. in: BeckRS 2014, Nr.: 10350) oder wenn ei­ne Untersuchungs- bzw. Zwangs-Haft an­ge­ord­net und ver­hängt wur­de (BGH, Urteil vom 23.10.2003, Az.: III ZR 9/03, u.a. in: NJW 2003, Seiten 3693 ff.; OLG Hamm, Beschluss vom 24.05.2013, Az.: 9 U 197/12, u.a. in: BeckRS 2014, Nr.: 10896; OLG Frankfurt/Main, VersR 2008, Seite 649; OLG München, NJW-RR 1994, Seite 724) bzw. bei Einrichtung und Aufrechterhaltung ei­nes „vir­tu­el­len Prangers” im Internet (OLG Celle, NJW-RR 2008, Seite 1262) oder we­gen des Verlustes des Arbeitsplatzes und der Mietwohnung (LAG Rheinland-Pfalz, Urteil vom 14.08.2014, Az.: 5 Sa 160/14, u.a. in: „ju­ris“) bzw. we­gen der Behinderung der Ausübung von Umgangskontakten mit den Kindern durch Falschangaben des an­de­ren Ehepartners ge­gen­über der Polizei (LG Essen, FamRZ 2008, Seiten 2032 f.).

Die blo­ße Anhörung der hie­si­gen Klägerin in dem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Potsdam stellt aber ei­nen der­ar­tig schwe­ren Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Klägerin ge­ra­de nicht dar (BVerfG, NJW 1987, 1929-1930, BGH, NJW 1985, 3081; OLG Koblenz, NJW-RR 2012, Seiten 600 f.; LG Bad Kreuznach, Urteil vom 14.10.2011, Az.: 2 O 198/10).

Zwar hät­te es kei­ne Rechtfertigung da­für ge­ge­ben, die­se Anschuldigung un­be­tei­lig­ten Dritten ge­gen­über zum Ausdruck zu brin­gen. Indessen be­haup­tet vor­lie­gend no­ch nicht ein­mal die Klägerseite, dass dies hier ge­sche­hen wä­re (OLG Koblenz, NJW-RR 2012, Seiten 600 f.; OLG Hamm, Urteil vom 03.02.2006, Az.: 9 U 117/05, u.a. in: VersR 2007, Seite 512; LG Bad Kreuznach, Urteil vom 14.10.2011, Az.: 2 O 198/10; LG Bielefeld, Urteil vom 31.05.2005, Az.: 7 O 446/04), so dass die hie­si­ge Klage auch be­züg­li­ch des gel­tend ge­mach­ten Schmerzensgeldanspruches in Höhe von 300,00 Euro ab­zu­wei­sen ist.

Über Alexander Gratz

Dipl. jur. Universität des Saarlandes

Ein Kommentar zu “Falsche Verdächtigung: Anzeigeerstatter muss für Rechtsanwaltsgebühren auf­kom­men!

  1. Ein Polizist der mi­ch fal­sch ver­däch­tigt hatte,eine Fahndung nach mir veranlasste,ist straf­frei geblieben.Meine Kosten ca 600€ (ei­ne Freund klär­te mi­ch auf und sagte:Merke,du lebst in Deutschland)!

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