Freispruch in Sachen “Rabauken-Jäger”

Das OLG Rostock hat so­eben ei­ne Pressemitteilung zu dem “Rabauken-Jäger”-Verfahren (dor­ti­ges Az. 20 RR 66/16) ver­schickt. Es hat den Angeklagten frei­ge­spro­chen. Der Beschluss ist noch nicht ver­öf­fent­licht; zur Sache ent­hält die Pressemitteilung je­doch schon deut­li­che Aussagen:

Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Rostock hat heu­te ei­nen Lokalredakteur der Haffzeitung vom Vorwurf der Beleidigung frei­ge­spro­chen. Der Redakteur hat­te ei­nen Jäger u.a. als „Rabauken-Jäger“ be­zeich­net, nach­dem die­ser ein zu­vor of­fen­sicht­lich von ei­nem an­de­ren Autofahrer an­ge­fah­re­nes Reh mit­tels ei­nes Seils an der Anhängerkupplung sei­nes PKW über die B 109 ge­schleift hat­te. Ein von ei­nem nach­fol­gen­den Autofahrer auf­ge­nom­me­nes Foto hat­te be­reits zu­vor für Empörung in den so­zia­len Medien ge­sorgt. Dass der Jäger das Reh nicht et­wa er­legt hat­te, son­dern mit sei­nem Verhalten le­dig­lich der von dem Kadaver aus­ge­hen­den Gefahr für den Straßenverkehr be­geg­nen woll­te, stell­te sich erst spä­ter her­aus.

Aus Sicht des Strafsenats be­stehen schon er­heb­li­che Zweifel, ob der Begriff „Rabauken-Jäger“ in sei­ner kon­kre­ten Verwendung ei­nen straf­recht­lich re­le­van­ten her­ab­set­zen­den Charakter hat. Denn es sei zu be­den­ken, dass der Redakteur den Begriff des „Rabauken“, der im all­ge­mei­nen Sprachgebrauch als Tadel für das un­ge­stü­me Verhalten jun­ger Männer ver­wen­det wer­de, in Bezug auf den als äl­te­ren Herren skiz­zier­ten Jäger aus Sicht des Lesers in ein­deu­tig feuilletonistisch-ironisierender Weise be­nutzt ha­be. Dies kön­ne aber letzt­lich da­hin­ste­hen. Jedenfalls sei die Begriffswahl im Rahmen der Güterabwägung zwi­schen dem Persönlichkeitsrecht des Jägers auf der ei­nen und der Meinungs- und Pressefreiheit auf der an­de­ren Seite straf­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Letztlich müs­se sich der Jäger auch hef­ti­ge Kritik ge­fal­len las­sen, da er mit sei­nem Verhalten ob­jek­tiv ge­gen die Grundsätze weid­män­ni­schen Verhaltens ver­sto­ßen ha­be. Der Redakteur ha­be so­gar noch ver­sucht, den Jäger nach den Gründen für sein Verhalten zu be­fra­gen, dies sei aber we­gen des­sen ur­laubs­be­ding­ter Abwesenheit nicht ge­lun­gen. Deshalb kön­ne man ihm an­ge­sichts der Tatsache, dass die so­zia­len Medien über den Vorfall schon dis­ku­tier­ten, nicht vor­hal­ten, mit sei­nem Bericht nicht bis zu ei­ner voll­stän­di­gen Aufklärung der mög­li­cher­wei­se den Jäger ent­las­ten­den Hintergründe zu­ge­war­tet zu ha­ben. Insofern gin­ge das be­rech­tig­te Interesse der Presse an ak­tu­el­ler Berichterstattung vor.

Quelle: OLG Rostock

Über Alexander Gratz

Dipl. jur. Universität des Saarlandes

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