OLG Bamberg: Kein Einspruch ge­gen no­ch nicht er­las­se­nen Bußgeldbescheid

Tim Reckmann / pixelio.de
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Bei der Betroffenen wur­de am 31.10.2015 ein Geschwindigkeitsverstoß auf ei­ner Bundesautobahn fest­ge­stellt. Nach Anhörung der Betroffenen be­stell­te si­ch mit Schreiben vom 18.11.2015 ein Verteidiger für die Betroffene und leg­te „falls be­reits ein Bußgeldbescheid vor­liegt, [...] ge­gen die­sen Einspruch“ ein. Am 23.11.2015 wur­de der Bußgeldbescheid, mit dem ei­ne Geldbuße von 160 Euro und ein ein­mo­na­ti­ges Fahrverbot ver­hängt wur­den, er­las­sen und der Betroffenen am 25.11.2015 zu­ge­stellt. Die Bußgeldstelle leg­te den Vorgang schließ­li­ch der Staatsanwaltschaft vor, wel­che die Akten an das Amtsgericht ab­gab. Dieses ver­ur­teil­te die Betroffene we­gen fahr­läs­si­gen Überschreitung der zu­läs­si­gen Höchstgeschwindigkeit ent­spre­chend dem Bußgeldbescheid. Im Rechtsbeschwerdeverfahren hat das OLG Bamberg die­ses Urteil auf­ge­ho­ben und den Einspruch der Betroffenen als un­zu­läs­sig ver­wor­fen: Es kön­ne da­hin­ste­hen, ob der Einspruch be­reits auf Grund ei­ner ge­stell­ten Bedingung (“falls”) un­zu­läs­sig sei. Jedenfalls sei die­ser ver­früht ein­ge­legt, der Bußgeldbescheid da­her in Rechtskraft er­wach­sen. Ein Einspruch sei er­st dann mög­li­ch, wenn ein Bußgeldbescheid er­las­sen (nicht: zu­ge­stellt) ist; ei­ne vor­sorg­li­che (für den Fall des Erlasses ei­nes Bußgeldbescheids) Einspruchseinlegung sei hin­ge­gen un­zu­läs­sig (OLG Bamberg, Beschluss vom 15.02.2017 - 3 Ss OWi 1294/16). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Kein Einspruch ge­gen no­ch nicht er­las­se­nen Bußgeldbescheid

OLG Bamberg: Betroffenem muss nach recht­li­chem Hinweis Gehör ge­währt wer­den

Frank Vincentz, Wikimedia Commons
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Gegen den Betroffenen wur­de ein Bußgeldbescheid we­gen ei­nes Abstandsverstoßes und dem Nichteinhalten des Mindestabstandes von 50 m mit ei­nem Lastkraftwagen er­las­sen und ei­ne Geldbuße von 140 Euro ver­hängt. Der Betroffene leg­te durch Schreiben sei­nes Verteidigers Einspruch ein. In der Hauptverhandlung, in der we­der der von der Verpflichtung zum per­sön­li­chen Erscheinen ent­bun­de­ne Betroffene no­ch sein Verteidiger an­we­send wa­ren, er­folg­te durch das Gericht ein Hinweis, das sei­ne Verurteilung we­gen Vorsatzes in Betracht kom­me. Es ver­ur­teil­te schließ­li­ch den Betroffenen we­gen vor­sätz­li­cher tat­ein­heit­li­cher Verstöße zu ei­ner Geldbuße von 230 Euro. Damit hat es, wie das OLG Bamberg nun fest­stell­te, das recht­li­che Gehör des Betroffenen ver­letzt. Wolle das Amtsgericht nach ei­nem Bußgeldbescheid, der von fahr­läs­si­ger Begehungsweise aus­ge­gan­gen ist, we­gen Vorsatz ver­ur­tei­len, müs­se ge­mäß § 71 Abs. 1 OWiG i.V.m. § 265 StPO ein da­hin­ge­hen­der recht­li­cher Hinweis er­teilt wer­den. Hier kön­ne da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Bußgeldstelle, wel­che die Schuldform im Bußgeldbescheid nicht an­ge­ge­ben hat, si­ch bei der Bußgeldbemessung aber an den Regelsätzen des Bußgeldkatalogs für ei­ne fahr­läs­si­ge Begehungsweise ori­en­tiert hat, auch von Fahrlässigkeit aus­ge­gan­gen ist. Der in der Hauptverhandlung er­teil­te recht­li­che Hinweis ha­be nicht aus­ge­reicht, da we­der Betroffener no­ch Verteidiger in die­ser an­we­send wa­ren. In die­ser Situation müs­se ein Gericht die Verhandlung un­ter­bre­chen oder ver­ta­gen, um dem Betroffenen Gelegenheit zur Äußerung in ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist zu ge­ben (OLG Bamberg, Beschluss vom 02.05.2017 - 2 Ss OWi 293/17). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Betroffenem muss nach recht­li­chem Hinweis Gehör ge­währt wer­den

OLG Bamberg: ProViDa-Messmethode muss im Urteil nicht be­nannt wer­den

Driver8888, Wikimedia Commons
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Etwas um­strit­ten ist no­ch die Frage, ob bei ProViDa-Messungen im Urteil die kon­kre­te Messmethode mit­ge­teilt wer­den muss, da bei die­ser Anlage meh­re­re Betriebsarten zur Geschwindigkeitsmessung be­nutzt wer­den kön­nen. Das OLG Bamberg geht je­doch bei al­len Methoden (AUTO 1, AUTO 2, MAN, SPLIT) vom Vorliegen ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens aus. Da in al­len Fällen der Toleranzabzug gleich­blei­bend 5 % be­tra­ge, sei die Angabe der ge­nau­en Betriebsart in den Urteilsgründen ent­behr­li­ch (OLG Bamberg, Beschluss vom 25.01.2017 - 3 Ss OWi 1582/16). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: ProViDa-Messmethode muss im Urteil nicht be­nannt wer­den

OLG Bamberg: Keine Rechtsbeschwerde we­gen dro­hen­der Verlängerung der Probezeit

 RainerSturm / pixelio.de
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Der Betroffene wur­de we­gen ei­nes Geschwindigkeitsverstoßes zu ei­ner Geldbuße in Höhe von € 70 ver­ur­teilt. Sein Verteidiger mein­te, ei­ne da­ge­gen ge­rich­te­te Rechtsbeschwerde be­dür­fe  ent­spre­chend § 79 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 OWiG kei­ner Zulassung, da der Betroffene si­ch zum Tatzeitpunkt in der Probezeit be­fun­den hat­te. Dieser Sichtweise ist das OLG Bamberg nicht ge­folgt. Mögliche Probezeitmaßnahmen sei­en kei­ne vom Amtsgericht im Urteil an­ge­ord­ne­ten Rechts- bzw. Nebenfolgen. Mittelbare fahr­erlaub­nis­recht­li­che Folgen der Verurteilung könn­ten eben­falls nicht zur Zulässigkeit ei­ner Rechtsbeschwerde füh­ren (Beschluss vom 16.02.2017 - 3 Ss OWi 174/17). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Keine Rechtsbeschwerde we­gen dro­hen­der Verlängerung der Probezeit

OLG Bamberg: Bei Atemalkoholmessung muss Zeitpunkt des Trinkendes an­ge­ge­ben wer­den

krü / pixelio.de
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Das AG hat den Betroffenen vom Vorwurf des fahr­läs­si­gen Verstoßes ge­gen § 24a StVG frei­ge­spro­chen, da es si­ch nicht da­von über­zeu­gen konn­te, dass zwi­schen Trinkende und der ers­ten Atemalkoholmessung bei dem Betroffenen die not­wen­di­ge Wartezeit von (min­des­tens) 20 Minuten ein­ge­hal­ten wur­de. Der Zeitpunkt des Trinkenendes wur­de im Urteil je­doch nicht an­ge­ge­ben. Diese Angabe ver­misst das OLG Bamberg und hebt das Urteil auf. Notfalls müs­se der Zeitpunkt un­ter Anwendung des Zweifelssatzes be­stimmt wer­den. Es sei au­ßer­dem zu un­ter­schei­den zwi­schen Tat- und Kontrollzeit, was das Amtsgericht durch die syn­ony­me Verwendung der Begriffe ver­säumt ha­be (OLG Bamberg, Beschluss vom 13.02.2017 - 3 Ss OWi 68/17). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Bei Atemalkoholmessung muss Zeitpunkt des Trinkendes an­ge­ge­ben wer­den

Gutachten zum Beweis, “dass Betroffener nicht der Fahrzeugführer war” - kein Beweisantrag

splitshire.com
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In die­sem Verfahren we­gen ei­nes Geschwindigkeitsverstoßes hat der Betroffene be­strit­ten, ge­fah­ren zu sein. Einen Antrag auf Einholung ei­nes an­thro­po­lo­gi­schen Sachverständigengutachtens zum Nachweis der Tatsache, dass der Betroffene nicht der ver­ant­wort­li­che Fahrzeugführer zur Tatzeit war, lehn­te das AG ab und ver­ur­teil­te den Betroffenen. Das OLG Bamberg sagt da­zu: Es liegt je­den­falls kei­ne Verletzung des recht­li­chen Gehörs vor, im Übrigen auch kein Beweisantrag. Denn für ei­nen wirk­sa­men Beweisantrag ge­nü­ge es nicht, nur ei­ne Negativtatsache un­ter Beweis zu stel­len (OLG Bamberg, Beschluss vom 17.03.2017 - 3 Ss OWi 264/17). wei­ter­le­sen Gutachten zum Beweis, “dass Betroffener nicht der Fahrzeugführer war” - kein Beweisantrag

OLG Bamberg: Messstelle zu nah am Ortseingang/Ortsausgang - Fahrverbot kann ent­fal­len

pixabay.com
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Das Amtsgericht hat­te den Betroffenen we­gen Überschreitung der zu­läs­si­gen Höchstgeschwindigkeit in­ner­halb ge­schlos­se­ner Ortschaften um 31 km/h zu ei­ner Geldbuße von EUR 320 ver­ur­teilt und von der Verhängung des Regelfahrverbots ab­ge­se­hen, da si­ch die Messstelle ent­ge­gen ei­ner Verwaltungsvorschrift we­ni­ger als 200 m vor dem Ortsausgangsschild be­fun­den ha­be und der Betroffene an die­ser Stelle die in­ner­ört­li­che Bebauung be­reits zu­rück­ge­legt hat­te. Unter Bezugnahme auf Entscheidungen des BayObLG er­kennt das OLG Bamberg eben­falls an, dass bei ei­nem sol­chen Verstoß die Indizwirkung des Regelbeispiels für ein Fahrverbot ent­fal­len kann. Nach ei­ner Vorschrift des Bayerischen Staatsministeriums des Innern soll die Messstelle des Geschwindigkeitsmessgeräts min­des­tens 200 m vom Beginn oder Ende der Geschwindigkeitsbeschränkung ent­fernt sein. Allerdings sei­en nach die­ser Vorschrift in be­grün­de­ten Ausnahmefällen (die Richtlinie nennt hier bei­spiel­haft das Fehlen von Fußwegen bei spür­ba­rem Fußgängerverkehr, ein­mün­den­de Straßen, Firmenzufahrten, Schulen und Kindergärten) Abweichungen mög­li­ch. Dazu müs­se das Amtsgericht Feststellungen tref­fen (OLG Bamberg, Beschluss vom 22.02.2017 - 3 Ss OWi 178/17). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Messstelle zu nah am Ortseingang/Ortsausgang - Fahrverbot kann ent­fal­len

OLG Bamberg: Zur Bezugnahme auf Lichtbild ge­nügt Angabe der Aktenfundstelle

Christopher Pach / pixelio.de
Christopher Pach / pixelio.de

Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te der BGH ent­schie­den, dass an ei­ne wirk­sa­me Verweisung auf Abbildungen ge­mäß § 267 Abs. 1 S. 3 StPO kei­ne über­trie­be­nen Anforderungen ge­stellt wer­den dür­fen und es ge­nü­gen kön­ne, wenn der Tatrichter die Aktenfundstelle in Klammern an­gibt, oh­ne aus­drück­li­ch ei­ne Verweisung aus­zu­spre­chen. Dies hat das OLG Bamberg nun aus­drück­li­ch auf Bußgeldurteile über­tra­gen: Die Formulierung “auf­grund der in Augenschein ge­nom­me­nen Lichtbilder auf Bl. 18 d.A” rei­che re­gel­mä­ßig aus, um auf die Fundstelle in den Akten deut­li­ch und zwei­fels­frei Bezug zu neh­men (OLG Bamberg, Beschluss vom 06.02.2017 - 3 Ss OWi 156/17). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Zur Bezugnahme auf Lichtbild ge­nügt Angabe der Aktenfundstelle

OLG Bamberg: Keine Urteilsergänzung nach Zustellung an Staatsanwaltschaft

Siegfried Fries / pixelio.de
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Dieser Beschluss des OLG Bamberg zeigt, dass es bei ei­ni­gen Amtsgerichten in Bayern Probleme mit der frü­hen Bekanntgabe von Bußgeldurteilen oh­ne Gründe an die Staatsanwaltschaften, um Rechtsmittelerklärungen zu er­lan­gen, gab bzw. gibt: Hier hat das AG drei Tage nach Durchführung der Hauptverhandlung und Fertigstellung des Protokolls das in das Protokoll oh­ne Gründe auf­ge­nom­me­ne Urteil (500 Euro Geldbuße, ein Monat Fahrverbot we­gen Verstoßes ge­gen § 24a Abs. 1, 3 StVG) der Staatsanwaltschaft im Wege der „Zustellung des Urteils ge­mäß §§ 46 Abs. 1 OWiG, 41 StPO“ be­kannt­ge­ge­ben. Einen Tag spä­ter hat der Betroffene sei­ne Rechtsbeschwerde ein­ge­legt, so dass das AG sein Urteil nach­träg­li­ch um die Gründe er­gänzt hat. Das OLG rügt, dass die­se Vorgehensweise nicht mit sei­ner so­wie der Rechtsprechung des BGH in Einklang steht und hebt das Urteil auf (Beschluss vom 06.06.2016 - 3 Ss OWi 646/16). wei­ter­le­sen OLG Bamberg: Keine Urteilsergänzung nach Zustellung an Staatsanwaltschaft

Keine fai­ren (Bußgeld-)Verfahren mehr in Bayern?

H.D.Volz / pixelio.de
H.D.Volz / pixelio.de

Und, weil es so “schön” war, hier die nächs­te Ablehnung ei­nes Antrags auf Herausgabe der Messrohdaten ei­ner Geschwindigkeitsmessung. Drei Ablehnungen in Folge und al­le­samt aus Bayern (die an­de­ren ka­men vom AG Freising und AG Kaufbeuren). Die Besonderheit hier war, dass der Verteidiger er­st von dem Sachverständigenbüro dar­über in­for­miert wur­de, dass für ei­ne ord­nungs­ge­mä­ße Begutachtung die di­gi­ta­le Messdatei im TUFF-Format (PoliScan Speed) so­wie die Token-Datei und das Passwort be­nö­tigt wer­den. Zu die­sem Zeitpunkt war der ge­plan­te Hauptverhandlungstermin no­ch knapp drei Wochen ent­fernt, so dass der Verteidiger auch ei­ne Terminsverlegung be­an­trag­te. Deren Ablehnung ist dann ver­mut­li­ch no­ch das ein­zig verständliche/konsequente an der Entscheidung, denn wenn schon die Rohdaten nicht her­aus­ge­ge­ben wer­den, be­darf es auch kei­ner Terminsverlegung, denn dann hat der Sachverständige nichts/kaum et­was zu be­gut­ach­ten. Und ei­ne Herausgabe der Daten sei laut OLG Bamberg, auf das si­ch das Gericht be­zieht, nicht er­for­der­li­ch und er­ge­be si­ch nicht aus dem Recht auf ein fai­res Verfahren. Die Richtigkeit der Geschwindigkeitsmessung kön­ne in der Beweisaufnahme über­prüft wer­den. Ich wa­ge al­ler­dings die Vorhersage, dass es auch in der Beweisaufnahme (und zwar un­ter Berufung auf die Grundsätze des stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens) zu kei­ner Auswertung der Rohdaten kom­men wird (AG Würzburg, Beschluss vom 21.07.2016 - 262 OWi 962 Js 11069/16). wei­ter­le­sen Keine fai­ren (Bußgeld-)Verfahren mehr in Bayern?