“Zum Beweis (...), dass kein stan­dar­di­sier­tes Messverfahren vor­liegt” - kein Beweisantrag!

Tim Reckmann / pixelio.de
Tim Reckmann / pixelio.de

Wie sorg­fäl­tig beim Formulieren von Beweisanträgen vor­ge­gan­gen wer­den soll­te, zeigt die­ser Fall: Dem Betroffenen wur­de ei­ne Überschreitung der zu­läs­si­gen Höchstgeschwindigkeit um 29 km/h vor­ge­wor­fen. Sein Verteidiger be­an­trag­te “zum Beweis der Behauptung, dass oh­ne Bestätigung der Zeugin, dass sämt­li­che Eichmarken am Messgerät vor Messbeginn über­prüft wur­den, nicht vom Vorliegen ei­nes or­dent­li­ch ge­eich­ten Messgeräts und da­her auch nicht vom Vorliegen ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens aus­zu­ge­hen ist, (...) die Einholung ei­nes Sachverständigengutachtens .” Zur Begründung gab er an, die Zeugin hät­te im Termin an­ge­ge­ben, nicht zu wis­sen, wo si­ch die Eichmarken am Leivtec XV3-Messgerät be­fin­den, so dass sie de­ren Unversehrtheit auch nicht ha­be über­prü­fen kön­nen. Das Amtsgerichte lehn­te den Beweisantrag ab. Laut OLG Saarbrücken kei­ne Verletzung des recht­li­chen Gehörs: Der Antrag des Verteidigers lau­fe auf den Beweis ei­ner Rechtsfrage hin­aus. Auch füh­re ei­ne un­ter­las­se­ne Überprüfung der Eichmarken nicht da­zu, dass kein stan­dar­di­sier­tes Messverfahren mehr vor­liegt (Beschluss vom 20.07.2015, Az. Ss (RS) 10/2015 (22/15 OWi)).

Der Antrag des Betroffenen auf Zulassung der Rechtsbeschwerde ge­gen das Urteil des Amtsgerichts Saarbrücken vom 14. April 2015 wird kos­ten­pflich­tig als un­be­grün­det  v e r w o r f e n.

Gründe:

I.

Das Amtsgericht hat ge­gen den Betroffenen we­gen fahr­läs­si­ger Überschreitung der zu­läs­si­gen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 29 km/h ei­ne Geldbuße in Höhe von 80,-- € fest­ge­setzt.

Gegen das in der Hauptverhandlung vom 14. April 2015 ver­kün­de­te Urteil hat der Betroffene mit am 21. April 2015 beim Amtsgericht ein­ge­gan­ge­nem Schriftsatz sei­nes Verteidigers vom sel­ben Tag die Zulassung der Rechtsbeschwerde be­an­tragt und die­sen Antrag so­wie die Rechtsbeschwerde nach am 27. April 2015 er­folg­ter Zustellung des Urteils an sei­nen Verteidiger mit am 27. Mai 2015 beim Amtsgericht ein­ge­gan­ge­nen Schriftsätzen sei­nes Verteidigers vom sel­ben Tag be­grün­det. Er meint, das an­ge­foch­te­ne Urteil sei we­gen Versagung recht­li­chen Gehörs auf­zu­he­ben, weil das Amtsgericht ei­nen in der Hauptverhandlung ge­stell­ten Beweisantrag rechts­feh­ler­haft ab­ge­lehnt und si­ch hier­mit in Urteilsgründen auch nicht aus­ein­an­der­ge­setzt ha­be.

II.

Der form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te so­wie be­grün­de­te Antrag des Betroffenen auf Zulassung der Rechtsbeschwerde (§§ 80 Abs. 3 S. 1 und 3, 79 Abs. 3 S. 1 OWiG, 341, 344, 345 StPO) bleibt in der Sache oh­ne Erfolg, da die Überprüfung des an­ge­foch­te­nen Urteils kei­nen Zulassungsgrund er­ken­nen lässt.

1. Wegen der Anwendung von Rechtsnormen über das Verfahren so­wie zur Sicherung ei­ner ein­heit­li­chen Rechtsprechung (§ 80 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 2 OWiG) ist die Zulassung der Rechtsbeschwerde im vor­lie­gen­den Fall be­reits ge­mäß § 80 Abs. 2 Nr. 1 OWiG aus­ge­schlos­sen, da le­dig­li­ch ei­ne Geldbuße von nicht mehr als 100,-- € ver­hängt wor­den ist.

2. Auch ei­ne Zulassung der Rechtsbeschwerde zur Fortbildung ma­te­ri­el­len Rechts (§ 80 Abs. 1 Nr. 1 Alt. 1, Abs. 2 Nr. 1 OWiG) kommt nicht in Betracht.

a) Der Zulassungsgrund der Fortbildung des Rechts kommt nur bei Rechtsfragen in Betracht, die ent­schei­dungs­er­heb­li­ch, klä­rungs­be­dürf­tig und als abs­trak­ti­ons­fä­hi­ge (durch Aufstellen von abs­trakt ge­ne­rel­len Leitsätzen) Regeln von prak­ti­scher Bedeutung sind (vgl. Göhler/Seitz, OWiG, 16. Aufl., § 80 Rn. 3). Er ist nach stän­di­ger Rechtsprechung des Senats nicht ge­ge­ben, wenn die si­ch stel­len­den Rechtsfragen in der höchst­rich­ter­li­chen Rechtsprechung im Wesentlichen ge­klärt sind oder die Beurteilung des fest­ge­stell­ten Sachverhalts in recht­li­cher Hinsicht ent­schei­dend von den kon­kre­ten Gestaltungen des Einzelfalls ab­hängt (z.B. Senatsbeschlüsse vom 10.02.2010 - Ss (Z) 204/10 [18/10] -, 04.04.11 - Ss (Z) 204/11 [13/11] -, vom 05.05.11 - Ss (Z) 212/11 [46/11] -, vom 12.12.2011 - Ss (Z) 244/11 [148/11] -, vom 06.03.13 - Ss (Z) 203/13 [8/13] -, vom 16.10.2013 - Ss (Z) 235/13 [78/13] -, vom 18.2.2014 - Ss (Z) 206/2014 [12/14 OWi] -, vom 02.05.2014 - Ss (Z) 209/2014 [27/14 OWi] - und vom 22.07.2014 - Ss (Z) 217/2014 [38/14 OWi] -). Selbst ei­ne fal­sche Entscheidung im Einzelfall recht­fer­tigt für si­ch al­lein die Zulassung der Rechtsbeschwerde zur Fortbildung des Rechts nicht, weil die Vorschrift nicht der Einzelfallgerechtigkeit dient (vgl. vor­ge­nann­te Senatsbeschlüsse so­wie Beschlüsse des Senats vom 28.02.2007 - Ss (Z) 204/07 [10/07] -, 21.01.2008 - Ss (Z) 203/08 [6/08] - und 17.01.2011 - Ss (Z) 202/11 [4/11] -). Daneben muss die Nachprüfung i.S. ei­nes Sich-Aufdrängens „ge­bo­ten“ sein, die Zulassung zur Überprüfung der Anwendung des Rechts al­so nicht et­wa nur na­he lie­gen, ver­tret­bar, sinn­voll oder wün­schens­wert sein (Göhler/Seitz, a. a. O., § 80 Rn. 15; KK OWiG-Senge, 4. Aufl., § 80 Rn. 39); selbst wenn zu ei­ner be­stimm­ten Sachverhaltskonstellation bis­her kei­ne ober­ge­richt­li­che Entscheidung ver­öf­fent­licht ist, ge­bie­tet dies die Zulassung der Rechtsbeschwerde eben­falls nicht (z.B. Senatsbeschlüsse vom 04.04.11 - Ss (Z) 204/11 [13/11] -, vom 05.05.11 - Ss (Z) 212/11 [46/11] -, vom 12.12.2011 - Ss (Z) 244/11 [148/11] -, vom 06.03.13 - Ss (Z) 203/13 [8/13] -, vom 16.10.2013 - Ss (Z) 235/13 [78/13] -, vom 18.2.2014 - Ss (Z) 206/2014 [12/14 OWi] -, vom 02.05.2014 - Ss (Z) 209/2014 [27/14 OWi] - und vom 22.07.2014 - Ss (Z) 217/2014 [38/14 OWi] -).

b) Gemessen hier­an sind kei­ne Rechtsfragen auf­ge­wor­fen, die die Zulassung der Rechtsbeschwerde zur Fortbildung des ma­te­ri­el­len Rechts er­for­der­li­ch er­schei­nen las­sen. Vielmehr sind die im vor­lie­gen­den Fall ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechtsfragen, ins­be­son­de­re die Frage der Darstellungsanforderungen an ein tatrich­ter­li­ches Bußgeldurteil in den Fällen der Verurteilung we­gen ei­ner Geschwindigkeitsüberschreitung, die mit Hilfe ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens fest­ge­stellt wor­den ist, in der Rechtsprechung – auch der­je­ni­gen des Senats –  so­wie in der Literatur be­reits aus­ge­tra­gen. Danach han­delt es si­ch bei dem vor­lie­gend ver­wen­de­ten Messverfahren mit dem Infrarot-Geschwindigkeitsmessgerät LEIVTEC XV3 um ein stan­dar­di­sier­tes Messverfahren (vgl. Senatsbeschlüsse vom 14. August 2012 - Ss (Z) 236/2012 [62/12 OWi] - und vom 5. November 2012 - Ss (B) 106/2012 [80/12 OWi] -;  König in: Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 42. Aufl., § 3 StVO Rn 61) mit den si­ch dar­aus er­ge­ben­den we­ni­ger stren­gen Anforderungen an die Darstellung in den Urteilsgründen. Bei ei­ner Verurteilung we­gen ei­nes Geschwindigkeitsverstoßes, die si­ch auf das Ergebnis ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens stützt, ge­nügt es in der Regel – so­weit si­ch kei­ne Anhaltspunkte für kon­kre­te Messfehler er­ge­ben ha­ben –, ne­ben der Wiedergabe der als er­wie­sen er­ach­te­ten Geschwindigkeit le­dig­li­ch das an­ge­wand­te Messverfahren und den be­rück­sich­tig­ten Toleranzwert in den Urteilsgründen mit­zu­tei­len, um dem Rechtsbeschwerdegericht die Kontrolle der Beweiswürdigung zu er­mög­li­chen (vgl. BGHSt 39, 291, 303; st. Rspr. des Senats, nur Beschlüsse vom 8. August 2013 - Ss (B) 48/2012 [37/12 OWi] - m.w.N. und vom 8. November 2013 - Ss (B) 88/2013 [71/13 OWi] -; König, a. a. O., § 3 StVO Rn. 56b). Die Anforderungen an die Darstellung der tatrich­ter­li­chen Überzeugungsbildung im Bußgeldurteil sind in die­ser Weise ein­ge­schränkt, so dass es – so­weit nicht kon­kre­te Messfehler von dem Betroffenen be­haup­tet wer­den oder son­st Anhaltspunkte hier­für er­sicht­li­ch sind – kei­ner wei­ter­ge­hen­den Mitteilung wie bei­spiels­wei­se des ver­wen­de­ten Gerätetyps und der Einhaltung der zu­ge­hö­ri­gen Betriebsvorschriften in den Urteilsgründen be­darf (vgl. BGHSt 39, 291, 301, 303; Senatsbeschluss vom 8. November 2013 - Ss (B) 88/2013 [71/13 OWi] - ).

3. Die Rechtsbeschwerde ist auch nicht we­gen Versagung des recht­li­chen Gehörs  (§ 80 Abs. 1 Nr. 2 OWiG) zu­zu­las­sen. Die Rüge der Verletzung des recht­li­chen Gehörs ist näm­li­ch je­den­falls nicht be­grün­det.

a) Zwar ge­bie­tet es der Grundsatz des recht­li­chen Gehörs u.a. auch, er­heb­li­che Beweisanträge zu be­rück­sich­ti­gen (BVerfGE 60, 250, 252; 65, 305, 307; 69 145, 148), so­fern nicht Gründe des Prozessrechts es ge­stat­ten oder da­zu zwin­gen, sie un­be­ach­tet zu las­sen (BVerfG NJW 1996, 2785, 2786). Geboten ist die Aufhebung ei­nes Urteils we­gen Versagung des recht­li­chen Gehörs in­des nur dann, wenn Art. 103 Abs. 1 GG ver­letzt ist und es nicht zwei­fel­haft er­scheint, dass das Urteil ei­ner Nachprüfung durch das Bundesverfassungsgericht nicht stand­hal­ten wür­de, die Aufhebung des Urteils we­gen Versagung des recht­li­chen Gehörs si­ch mit­hin auf­drängt (stän­di­ge Rspr. des Senats, z.B. Beschlüsse vom 7. Januar 2000 - Ss (Z) 239/99 -, 5. September 2003 - Ss (Z) 217/2003 -, 22. März 2006 - Ss (Z) 203/2006 -,  25. März 2008 - Ss (Z) 208/08 [20/08] -, 6. April 2010 - Ss (Z) 222/10 [52/10] - und vom 2. Mai 2014 - Ss (Z) 209/2014 27/14 OWi -; Göhler-Seitz, a.a.O., § 80 Rn. 16a). Dabei ist zu be­ach­ten, dass Art. 103 Abs. 1 GG die Mindestgarantie des recht­li­chen Gehörs ent­hält, die über die Vorschriften des ein­fa­chen Prozessrechts hin­aus­ge­hen kann; auf der an­de­ren Seite kann die Verletzung ver­fah­rens­pro­zes­sua­ler, über Art. 103 Abs. 1 GG hin­aus­ge­hen­der Normen nach § 80 Abs. 1 Nr. 2 OWiG nicht gel­tend ge­macht wer­den (vgl. Rebmann/Roth/Herrmann, OWiG, 3. Aufl., § 80 Rn. 7; Göhler-Seitz, a.a.O.). Allerdings stellt nicht je­de Ablehnung ei­nes Beweisantrags ei­ne Verletzung des recht­li­chen Gehörs dar. Nur ei­ne (ob­jek­tiv) will­kür­li­che Ablehnung ei­nes Beweisantrags, al­so ei­ne sol­che oh­ne nach­voll­zieh­ba­re, auf das Gesetz zu­rück­zu­füh­ren­de Begründung, die un­ter Berücksichtigung der das Grundgesetz be­herr­schen­den Gedanken nicht mehr ver­ständ­li­ch ist, ver­letzt das recht­li­che Gehör (BVerfG NJW 1992, 2811; OLG Celle VRS 84, 232; OLG Köln NStZ-RR 1998, 345; st. Rspr. des Senats z.B. Beschlüsse vom 21. Juli 2011 - Ss (Z) 221/2011 [79/11] -, 1. August 2012 - Ss (Z) 229/2012 [53/12 OWi] -, 9. August 2013 - Ss (Z) 230/2013 [65/13 OWi] - und vom 2. Mai 2014 - Ss (Z) 209/2014 [27/14 OWi] -).

b) Bei Anlegung die­ses Maßstabs kann ei­ne Verletzung des recht­li­chen Gehörs des Betroffenen da­durch, dass das Amtsgericht den von dem Verteidiger in der Hauptverhandlung vom 14. April 2015 ge­stell­ten Beweisantrag ge­mäß § 77 Abs. 2 Nr. 1 OWiG ab­ge­lehnt hat, nicht fest­ge­stellt wer­den.

aa) Nach dem – mit dem Inhalt des erst­in­stanz­li­chen Hauptverhandlungsprotokolls vom 14. April 2015 über­ein­stim­men­den – Vorbringen des Verteidigers in der Rechtsbeschwerdebegründung hat die­ser in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht vom 14. April 2015 fol­gen­den Beweisantrag ge­stellt, den das Amtsgericht mit der Begründung, die Beweiserhebung sei nach der bis­he­ri­gen Beweisaufnahme zur Erforschung der Wahrheit nicht er­for­der­li­ch, ab­ge­lehnt hat:

„Zum Beweis der Behauptung, dass oh­ne Bestätigung der Zeugin …., dass sämt­li­che Eichmarken am Messgerät vor Messbeginn über­prüft wur­den, nicht vom Vorliegen ei­nes or­dent­li­ch ge­eich­ten Messgeräts und da­her auch nicht vom Vorliegen ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens aus­zu­ge­hen ist, wird die Einholung ei­nes Sachverständigengutachtens be­an­tragt.

Begründung

Die PK …. gab im Termin an, sie wis­se nicht, an wel­chen Stellen des Messgeräts si­ch Eichmarken be­fin­den, da­her kann sie auch de­ren Unversehrtheit nicht ge­prüft ha­ben.“

bb) Die Ablehnung die­ses Beweisantrags durch das Amtsgericht ist schon des­halb nicht ob­jek­tiv will­kür­li­ch und da­her hier­durch der Anspruch des Betroffenen auf Gewährung recht­li­chen Gehörs nicht ver­letzt wor­den, weil es si­ch bei der Frage, ob dann, wenn die Eichmarken des Geschwindigkeitsmessgeräts vor Beginn der Messung nicht von der die Messung durch­füh­ren­den Polizeibeamtin über­prüft wor­den wä­ren, no­ch von ei­nem ord­nungs­ge­mäß ge­eich­ten Messgerät so­wie von ei­nem stan­dar­di­sier­ten Messverfahren aus­ge­gan­gen wer­den könn­te, um ei­ne dem Sachverständigenbeweis nicht zu­gäng­li­che Rechtsfrage han­delt, so dass ei­ne da­hin­ge­hen­de Beweiserhebung be­reits nach § 244 Abs. 3 Satz 1 StPO, auf den § 77 Abs. 2 OWiG ver­weist, un­zu­läs­sig ge­we­sen wä­re. Im Übrigen wä­re – oh­ne dass es hier­auf no­ch an­kä­me – die­se Frage oh­ne wei­te­res zu be­ja­hen. Denn das blo­ße Unterlassen der Überprüfung von Eichmarken be­deu­tet nicht, dass das Messgerät tat­säch­li­ch nicht ord­nungs­ge­mäß ge­eicht war. Schließlich steht die Annahme des Verteidigers, die Polizeibeamtin ha­be die Eichmarken nicht über­prüft, in Widerspruch zu der in dem an­ge­foch­te­nen Urteil ge­trof­fe­nen Feststellung, die Zeugin …. ha­be die „Eichmarken ... vor Beginn der Messung über­prüft, wo­bei es kei­ne Beanstandungen gab.“ Die Annahme des Verteidigers, es sei da­von aus­zu­ge­hen, dass die Zeugin …. ei­ne sol­che Überprüfung nicht vor­ge­nom­men ha­be, da sie auf sei­ne Frage „nicht be­nen­nen konn­te, an wel­chen ein­zel­nen Positionen des von ihr ver­wen­de­ten Messgeräts si­ch Eichmarken be­fin­den“, be­ruht le­dig­li­ch auf ei­ner von der Würdigung des Tatrichters ab­wei­chen­den Würdigung der Zeugenaussage.

c) Eine Verletzung des recht­li­chen Gehörs des Betroffenen liegt auch nicht dar­in be­grün­det, dass si­ch die schrift­li­chen Urteilsgründe zur Ablehnung des Beweisantrags nicht ver­hal­ten.

aa) Zwar muss in den Fällen, in de­nen ein Beweisantrag nach § 77 Abs. 2 Nr. 1   OWiG ge­mäß § 77 Abs. 3 OWiG le­dig­li­ch mit ei­ner Kurzbegründung ab­ge­lehnt wird, die Ablehnung in dem Urteil im Rahmen der Beweiswürdigung re­gel­mä­ßig so be­grün­det wer­den, dass sie für das Rechtsbeschwerdegericht nach­prüf­bar ist, wo­bei der Umfang der er­for­der­li­chen Urteilsausführungen von der ein­zel­nen Fallgestaltung ab­hängt; grund­sätz­li­ch aus­rei­chend ist aber, dass der Urteilsbegründung im Gesamtzusammenhang zu ent­neh­men ist, dass der Sachverhalt auf Grund der ge­nutz­ten Beweismittel so ein­deu­tig ge­klärt ist, dass die zu­sätz­li­ch be­an­trag­te Beweiserhebung an der Überzeugung des Gerichts nichts ge­än­dert hät­te und für die Aufklärung ent­behr­li­ch ge­we­sen ist (vgl. Göhler/Seitz, a.a.O., § 77 Rn. 26 m. w. N.; Senatsbeschluss vom 16. September 2011, Ss (Z) 234/2011 [105/11 OWi]).

bb) Nach vom Senat für zu­tref­fend er­ach­te­ter Auffassung gilt je­doch in den Fällen – wie hier – ge­ring­fü­gi­ger Ordnungswidrigkeiten dar­über­hin­aus­ge­hend, dass der Richter si­ch mit den die Ablehnung des Beweisantrags tra­gen­den Gründen in dem Urteil nur dann noch­mals zu be­fas­sen hat, wenn das zum Verständnis der Beweiswürdigung un­er­läss­li­ch ist (KK OWiG-Senge, a. a. O., § 77 Rn. 44 m. w. N.; Senatsbeschluss vom 16. September 2011, Ss (Z) 234/2011 [105/11 OWi]). Das ist hier nicht der Fall. Vielmehr ist die in dem an­ge­foch­te­nen Urteil vor­ge­nom­me­ne Beweiswürdigung aus si­ch her­aus oh­ne wei­te­res ver­ständ­li­ch, oh­ne dass es hier­für der Mitteilung der die Ablehnung des – wie aus­ge­führt – un­zu­läs­si­gen, an ei­ne im Widerspruch zu den Feststellungen in dem an­ge­foch­te­nen Urteil ste­hen­de Annahme an­knüp­fen­den und auf ei­ner ab­wei­chen­den Würdigung der Aussage der die Geschwindigkeitsmessung durch­füh­ren­den Polizeibeamtin be­ru­hen­den Beweisantrags tra­gen­den Gründe be­durf­te.

Der Antrag auf Zulassung der Rechtsbeschwerde war da­her mit der Kostenfolge aus §§ 46 Abs. 1 OWiG, 473 Abs. 1 S. 1 StPO als un­be­grün­det zu ver­wer­fen.

Über Alexander Gratz

Dipl. jur. Universität des Saarlandes

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