OLG Saarbrücken: Mitteilung der Messmethode beim ProViDa-Messverfahren kann ent­behr­li­ch sein

Driver8888, Wikimedia Commons
Driver8888, Wikimedia Commons

Weite Teile der OLG-Rechtsprechung set­zen vor­aus, dass bei ei­ner Geschwindigkeitsmessung mit­tels ProViDa-Messgerät die ver­wen­de­te Messmethode im Urteil mit­ge­teilt wer­den muss, da bei dem System meh­re­re un­ter­schied­li­che Methoden mög­li­ch sind. Das OLG Saarbrücken hat in die­sem Beschluss die be­stehen­de Rechtsprechung aus­ge­wer­tet und weist auch auf an­ders­lau­ten­de Entscheidungen hin. Hier deu­tet si­ch an, dass das OLG, wel­ches bis­her die Mitteilung der Methode eben­falls ge­for­dert hat, sei­ne Rechtsprechung än­dern könn­te, was vor Kurzem üb­ri­gens der Fall war (Beschluss vom 21.03.2016, Az. Ss (Bs) 12/2016 (8/16 OWi)).

Die Rechtsbeschwerde des Betroffenen ge­gen das Urteil des Amtsgerichts Saarbrücken vom 11. November 2015 wird auf Kosten des Betroffenen als of­fen­sicht­li­ch un­be­grün­det

v e r w o r f e n.

Gründe:

I.

Das Amtsgericht hat ge­gen den Betroffenen we­gen fahr­läs­si­ger Überschreitung der zu­läs­si­gen Höchstgeschwindigkeit au­ßer­halb ge­schlos­se­ner Ortschaften um 47 km/h ei­ne Geldbuße in Höhe von 160,-- € fest­ge­setzt und ein Fahrverbot von ei­nem Monat an­ge­ord­net.

Hiergegen wen­det si­ch der Betroffene mit sei­ner Rechtsbeschwerde, die er mit der (aus­ge­führ­ten) Rüge der Verletzung ma­te­ri­el­len Rechts be­grün­det hat.

II.

Die ge­mäß § 79 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 OWiG statt­haf­te, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te so­wie be­grün­de­te (§ 79 Abs. 3 Satz 1 OWiG, § 341 Abs. 1, § 344, § 345 StPO) Rechtsbeschwerde ist of­fen­sicht­li­ch un­be­grün­det. Die Nachprüfung des an­ge­foch­te­nen Urteils auf die aus­ge­führ­te Sachrüge hin hat kei­nen Rechtsfehler er­ge­ben, der si­ch zum Nachteil des Betroffenen aus­ge­wirkt ha­ben könn­te.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat hier­zu in ih­rer Stellungnahme zu der Rechtsbeschwerde vom 16. Februar 2016 Folgendes aus­ge­führt:

1. Dies gilt zu­nächst mit Blick auf den von der Rechtsbeschwerde an­ge­grif­fe­nen Schuldspruch.
Das Rechtsbeschwerdegericht ist in­so­weit bei der sachlich-rechtlichen Überprüfung des an­ge­foch­te­nen Urteils an die Feststellungen des Tatrichters zur Schuldfrage ge­bun­den und muss auch des­sen Würdigung der we­sent­li­chen be­weis­er­heb­li­chen Umstände (BGH NStZ 91, 548 m.w.N., NStZ-RR 2006, 82, 83) hin­neh­men, wenn sie frei von Rechtsfehlern ist, al­so we­der ge­gen die Denkgesetze oder all­ge­mein­gül­ti­ge Erfahrungssätze ver­stößt no­ch Lücken oder Unklarheiten in we­sent­li­chen Punkten ent­hält oder fal­sche Maßstäbe an die zur Verurteilung er­for­der­li­che bzw. aus­rei­chen­de Gewissheit an­ge­legt wer­den, na­ment­li­ch na­he lie­gen­de ab­wei­chen­de Möglichkeiten der Beweiswürdigung er­kenn­bar au­ßer Betracht ge­las­sen wer­den (vgl. nur - m.w.N. - BGH a.a.O., NStZ-RR 2002, 39; Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 57. Auflage, § 261 Rn. 38 f.; Senatsbeschlüsse vom 24. Februar 2003 - Ss 9/03 -, 18. Februar 2002 - Ss 71-72/01 und 5. November 1999 - Ss 64/99 -). Alle nach den Beweisergebnissen nicht ganz fern lie­gen­den Möglichkeiten der Würdigung in den Urteilsgründen um­fas­send zu er­ör­tern und die Erwägungen, wel­che ihn zu ei­ner be­stimm­ten Überzeugung be­wo­gen ha­ben, in ih­rer Gesamtheit er­schöp­fend dar­zu­stel­len, kann je­doch von dem Tatrichter von Rechts we­gen nicht ver­langt wer­den (BGH NStZ-RR 2006, 82, 83); das Tatgericht hat le­dig­li­ch sei­ne auf Tatsachen ge­stütz­te Beweisführung ra­tio­nal zu be­grün­den (BGH NStZ 2009, 468, 469). Soweit die Beweiswürdigung die­sen Voraussetzungen fol­gend Schlüsse ent­hält, ge­nügt es, wenn die­se mög­li­ch sind, zwin­gend müs­sen sie nicht sein; selbst wenn auf der Grundlage des Beweisergebnisses ei­ne ab­wei­chen­de Überzeugungsbildung mög­li­ch ge­we­sen wä­re oder so­gar nä­her ge­le­gen ha­ben könn­te, be­legt dies im Rahmen der Beweiswürdigung no­ch kei­nen Fehler bei der Anwendung des ma­te­ri­el­len Rechts (BGH NStZ 2005, 31). Im Rahmen des § 3 StVO muss der Tatrichter dem Rechtsbeschwerdegericht die recht­li­che Nachprüfung der Zuverlässigkeit der Feststellung der Geschwindigkeitsüberschreitung er­mög­li­chen (vgl. Senatsbeschlüsse vom 18. Dezember 1999 – Ss (B) 111/98 – und vom 2. Oktober 2003 – Ss (B) 62/03 –), in­dem er in den Urteilsgründen die zur Feststellung der ein­ge­hal­te­nen Geschwindigkeit an­ge­wand­te Messmethode mit­teilt und dar­über hin­aus dar­legt, dass mög­li­che Fehlerquellen aus­rei­chend be­rück­sich­tigt wor­den sind.

Ist bei der Geschwindigkeitsmessung ein stan­dar­di­sier­tes Messverfahren – wie hier mit der Geschwindigkeitsmessanlage ProViDa (vgl. nur OLG Bamberg, Beschluss vom 3. Februar 2014 – 2 Ss OWi 5/14 –, ju­ris OLG Frankfurt Beschluss vom 13. März 2013 – 2 Ss-OWi 1003/12, 2 Ss OWi 1003/12 –, ju­ris; KG Berlin, Beschluss vom 30. November 2010 – 3 Ws (B) 615/10, 3 Ws (B) 615/10 - 2 Ss 319/10 –, ju­ris; Senatsbeschluss vom 27. Dezember 2007 – Ss (B) 88/2007 –, vom 14. April 2010 – Ss (Z) 215/2010 (38/10) –, vom 25. März 2011 – Ss (B) 126/2010 (24/11) – und vom 18. Februar 2014 –Ss (Z) 206/2014 (12/14 OWi) –; Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 43. Auflage, § 3 StVO Rn. 62 a) – zum Einsatz ge­kom­men, gilt die Besonderheit, dass bei Vorliegen ei­nes sol­chen Messverfahrens der Richter sei­ne Überzeugung von der Geschwindigkeit ei­nes Fahrzeugs grund­sätz­li­ch al­lei­ne auf die Geschwindigkeitsmessung durch das Messgerät stüt­zen kann. In den Urteilsgründen be­darf es dann in der Regel le­dig­li­ch der Mitteilung des Messverfahrens und des be­rück­sich­tig­ten Toleranzwertes bzw. der to­le­ranz­ber­ei­nig­ten Geschwindigkeit (vgl. BGHSt 39, 291 ff.; 43, 277, 282; OLG Hamm, Beschluss vom 22. September 2003 – 2 Ss OWi 518/03 –, ju­ris; Senatsbeschlüsse vom 2. März 2010 – Ss (B) 11/2010 (20/10) –, 5. November 2012 – Ss (B) 106/2012 (80/12 OWi) –, 5. März 2013 – Ss (B) 135/2012 (6/13 OWi) –, 8. August 2013 – Ss (B) 48/2012 (37/12 OWi) –, 8. November 2013 – Ss (B) 88/2013 (71/13 OWi) -, 20. Juli 2015 – Ss RS 10/2015 22/15 OWi -, 20. Oktober 2015 – Ss RS 22/2015 (40/15 OWi) – und vom 20. Januar 2016 – Ss RS 20/2015 (58/15 OWi) –; Hentschel/Dauer/König, a.a.O., § 3 StVO, Rn 56 b m.w.N.). Die Anforderungen an die Darstellung der tatrich­ter­li­chen Überzeugungsbildung im Bußgeldurteil sind in die­ser Weise ein­ge­schränkt, so dass es – so­weit nicht kon­kre­te Messfehler von dem Betroffenen be­haup­tet wer­den oder son­st Anhaltspunkte hier­für er­sicht­li­ch sind – kei­ner wei­ter­ge­hen­den Mitteilung wie bei­spiels­wei­se des ver­wen­de­ten Gerätetyps und der Einhaltung der zu­ge­hö­ri­gen Betriebsvorschriften in den Urteilsgründen be­darf (BGHSt 39, 291, 301, 303; Senatsbeschluss vom 17. März 2014 – Ss (B) 52/2013 (54/13 OWi) –).

Diesen Anforderungen wer­den die Darlegungen des an­ge­foch­te­nen Urteils im Ergebnis ge­recht. Ihnen ist zu ent­neh­men, dass das Geschwindigkeitsmessgerät ProViDa ein­ge­setzt wur­de und dass zu­guns­ten des Betroffenen ei­ne Toleranz von 8 km/h von der er­rech­ne­ten mitt­le­ren Geschwindigkeit vom 155, 57 km/h (ent­spricht ca. 5,5 %) in Abzug ge­bracht wur­de. Konkrete Messfehler wer­den nicht mit­ge­teilt und sind nach den in Ansehung der al­lein er­ho­be­nen Sachrüge maß­ge­ben­den Urteilsfeststellungen auch nicht er­sicht­li­ch.

Nicht mit­ge­teilt wird al­ler­dings, mit wel­cher bei die­sem System mög­li­chen Messme­tho­de zur Geschwindigkeitsmessung die Messung er­folgt ist. Da das Messsystem ProViDa über ver­schie­de­ne Einsatzarten mit un­ter­schied­li­chen Voraussetzungen und Folgen ver­fügt (bei dem Messsystem zur Geschwindigkeitsmessung sind zwei ma­nu­el­le Auswertungen so­wie vier me­nü­ge­steu­er­te Methoden, näm­li­ch AUTO 1, AUTO 2, MAN und SPLIT, mög­li­ch; vgl. auch Löhle/Beck DAR 1994, 465, 475), wird in der ober­ge­richt­li­chen Rechtsprechung in die­sem Zusammenhang ge­for­dert, dass das Amtsgericht in den Urteilsgründen mit­teilt, wel­che der ver­schie­de­nen Betriebsarten zum Einsatz ge­kom­men ist und wel­cher Toleranzabzug si­ch dar­aus er­gibt (vgl. OLG Bamberg, Beschluss vom 25. Oktober 2011 – 3 Ss OWi 1194/11 –, ju­ris; Thüringer Oberlandesgericht, Beschluss vom 22. August 2011 – 1 Ss Rs 68/11, 1 Ss Rs 68/11 (167) –, ju­ris; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Beschluss vom 06. Januar 2011 – 1 Ss OWi 209/10 (214/10), 1 SsOWi 209/10 (214/10) –, ju­ris; OLG Hamm, Beschluss vom 09. Dezember 2009 – SS OWi 948/09; OLG Jena, Beschluss vom 8. Mai 2006 – 1 Ss 60/06 –, OLG Köln, Beschluss vom 30.07.1999 Ss 343/99 B; OLG Hamm, Beschluss vom 4.12.2008 – § Ss OWi 871/08 – ju­ris; Hentschel/König/Dauer, a.a.O., § 3 StVO Rn. 62a). Erst die­se Darlegung soll dem Rechtsbeschwerdegericht die Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Feststellung der Geschwindigkeitsüberschreitung er­mög­li­chen. Wird – nach die­ser Rechtsprechung – das amts­ge­richt­li­che Urteil die­sen Anforderungen nicht ge­recht – wie vor­lie­gend –, so soll das Urteil be­reits auf die Sachrüge hin auf­zu­he­ben sein (OLG Bamberg, Beschluss vom 25. Oktober 2011 – 3 Ss OWi 1194/11 –, ju­ris; Thüringer Oberlandesgericht, Beschluss vom 22. August 2011 – 1 Ss Rs 68/11, 1 Ss Rs 68/11 (167) –, ju­ris; Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, Beschluss vom 6. Januar 2011 – 1 Ss OWi 209/10 (214/10), 1 Ss OWi 209/10 (214/10) –, ju­ris; OLG Hamm, Beschluss vom 9. Dezember 2009 – Ss OWi 948/09; OLG Jena, Beschluss vom 8. Mai 2006 – 1 Ss 60/06 –, ju­ris).

Diese Rechtsprechung ist al­ler­dings nicht un­be­strit­ten: Das OLG Frankfurt führt sie in­halt­li­ch auf de­ren (frü­he­ren) zeit­li­chen Kontext zu­rück, in dem es auf­grund bau­art­be­ding­ter Besonderheiten da­zu ge­kom­men ist, dass für ei­nen be­stimm­ten Einsatz der Nachfahrt mit dem vor­lie­gen­den Messgerät kei­ne PTB-Zulassung vor­lag und so­mit kein stan­dar­di­sier­tes Messverfahren ge­ge­ben war (so OLG Frankfurt, Beschluss vom 13. März 2013 – 2 Ss OWi 1003/12, 2 Ss OWi 1003/12 –, Rn. 11, ju­ris, un­ter Hinweis auf die Entscheidung OLG Hamm Beschluss v. 26.02.2009 – 3 Ss Owi 871/08). Diese Besonderheiten im Tatsächlichen sei­en al­ler­dings längst be­sei­tigt. Daher sei das Tatgericht auch nicht ge­hal­ten, auch wenn es hilf­reich wä­re, mit­zu­tei­len, in wel­cher Art und Weise die ProViDa 2000 Modular-Messanlage zum Einsatz ge­kom­men sei, da der Einsatz kei­ne Auswirkungen auf das stan­da­ri­sier­te Messergebnis (mehr) ha­be. Wolle der Betroffene die vom Gericht ge­trof­fe­nen Feststellungen an­grei­fen, so be­dür­fe es ei­ner zu­läs­si­gen Verfahrensrüge. Denn auf die Sachrüge sei­en ne­ben den Verfahrensvoraussetzungen nur Rechtsfehler be­acht­li­ch, die si­ch aus der Urteilsurkunde selbst er­ge­ben oder ge­richts­be­kannt sei­en. Ziel der Sachrüge sei näm­li­ch die Kontrolle der zu­tref­fen­den Anwendung des ma­te­ri­el­len Rechts auf den fest­ge­stell­ten Sachverhalt.

Ähnlich ar­gu­men­tiert auch das OLG Köln: „Umstände, die ab­wei­chend vom Regelfall das Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Messung er­schüt­tern könn­ten, wie et­wa Zweifel an der Funktionstüchtigkeit und der sach­ge­rech­ten Handhabung von Geschwindigkeitsmessgeräten, de­ren tat­säch­li­che Grundlagen aber in den Urteilsfeststellungen kei­nen Niederschlag ge­fun­den ha­ben, kön­nen aber im Rechtsbeschwerdeverfahren nicht auf­grund ei­ner Sachrüge be­rück­sich­tigt wer­den (BGHSt 43, 277,284 = NJW 1998, 321 = VRS 94, 341 = DAR 1998, 110; OLG Braunschweig NZV 1995, 367; SenE v. 18.07.1996 - Ss 318/96 -; SenE v. 20.09.1996 - Ss 467/96 Z -; SenE v. 12.07.1999 - Ss 285/99 (Z) -). Einwendungen ge­gen die Richtigkeit der vor­ge­nom­me­nen Messung müs­sen in der Hauptverhandlung mit ei­nem Beweisantrag und im Rechtsbeschwerdeverfahren mit ei­ner Verfahrensrüge vor­ge­bracht wer­den“ (OLG Köln, Beschluss vom 30. Juli 1999 – Ss 343/99 B –, Rn. 22, ju­ris).

In ei­ner Entscheidung aus dem Jahre 2007 (Beschluss des Saarländischen Oberlandesgerichtes vom 27. Dezember 2007 – Ss (B) 88/2007 –) hat­te der Senat die Nennung der Messmethode in Ansehung der kon­kre­ten amts­ge­richt­li­chen Feststellungen für not­wen­dig er­ach­tet. In ei­ner jün­ge­ren Entscheidung hat der Senat die Frage der Notwendigkeit der Mitteilung der Messmethode auf­ge­wor­fen, aber im Ergebnis of­fen­las­sen kön­nen (vgl. Senatsbeschluss vom 17. März 2014 – Ss (B) 52/2013 (54/13 OWi) –).

Aus hie­si­ger Sicht spre­chen ge­wich­ti­ge Gründe da­für, dass bei ei­nem stan­dar­di­sier­ten Verfahren – des­sen Zweck ge­ra­de ist, Ermittlungsbehörden und Gerichte von den Sachverständigengutachten und Erörterungen des Regelfalls frei­zu­stel­len (vgl. st. Rspr. BGHSt 39, 291) – kei­ne wei­ter­ge­hen­den Ausführungen zur Messmethode er­for­der­li­ch sind, es sei denn die Urteilsgründe er­wei­sen si­ch bei ei­ner Auslassung auf­grund be­son­de­rer klä­rungs­be­dürf­ti­ger Umstände als lü­cken­haft. Die Rechtsprechung des BGH stellt bei der Annahme ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens ge­ra­de kei­ne wei­ter­ge­hen­den Anforderungen (vgl. Cierniak, ZfSch 2012, 664-680: Mitteilung der Messmethode bei ProViDa ist ei­ne „Verschönerung“ der Rechtsprechung des BGH zum stan­dar­di­sier­ten Messverfahren), so dass im Regelfall nicht er­sicht­li­ch ist, wel­chen „Mehrwert“ die Nennung der Messmethode er­bringt. Dies gilt auch mit Blick auf den in Ansatz zu brin­gen­den Toleranzabzug. Denn je­den­falls kom­men im Saarland bei ProViDa–Geschwindigkeitsmessungen kei­ne von der Messmethode ab­hän­gi­gen Unterschiede bei der Toleranzberechnung zur Anwendung (vgl. die Richtlinien für die Geschwindigkeitsüberwachung im Saarland; Abschnitt: Einsatz der Video–Nachfahreinrichtung ProViDa: bei Geschwindigkeiten über 100 km/h er­folgt ein Toleranzabzug von 5 % des Messwertes). Im Übrigen wird bei der Anwendung ei­nes Toleranzwertes von 5 % – wie hier – den Anforderungen je­den­falls Rechnung ge­tra­gen.

Diese der­zeit wohl (no­ch) strei­ti­ge Frage kann in­des vor­lie­gend da­hin­ste­hen, da die Urteilsgründe je­den­falls no­ch hin­rei­chend si­cher die Umstände der an­ge­wand­ten Messmethode er­ken­nen las­sen.

Insoweit füh­ren die Urteilsgründe aus:

„Der Zeuge PK …. und PK …. fuh­ren in ih­rem Polizeifahrzeug SAL – …. hin­ter dem Betroffenen her und ma­ßen da­bei sei­ne Geschwindigkeit, In dem Fahrzeug ist ein ge­eich­tes ProViDa System ein­ge­baut. Die Geschwindigkeitsmessung mit­tels ei­nes elek­tro­ni­schen Geräts zur Weg–Zeit–Messung bei Nachfahren (hier: ProViDa) ist in der ober­ge­richt­li­chen Rechtsprechung als stan­dar­di­sier­tes Verfahren an­er­kannt (vgl. Nachweise bei Henschel, Straßenverkehrsrecht, 39. Auflage, § 3 StVO, Rn. 62a). Ausweislich des Messprotokolls (Bl. 4 d.A.) be­trug die Wegstrecke der Messung 328 Meter. Diese wur­de in 7,59 sec. zu­rück­ge­legt. Durch Toleranzabzug von 8 km/h vom rech­ne­ri­schen Wert von 155,57 km/h er­gab si­ch ei­ne mitt­le­re Geschwindigkeit von 147 km/h. Die Strecke be­fand si­ch – wie si­ch aus dem in Augenschein ge­nom­me­nen Video er­gab – voll­stän­dig in­ner­halb der Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h.

Die ProViDa Messanlage im Fahrzeug ist durch das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz bis 31.12.2015 ge­eicht. Über den ge­eich­ten Wegstreckensignalkonverter im nach­fol­gen­den Fahrzeug misst das System die in ei­nem Zeitraum zu­rück­ge­leg­te Wegstrecke und die hier­für be­nö­tig­te Zeit. Der Vorgang wird auf Video auf­ge­zeich­net. Ein Geschwindigkeitsverstoß kann so durch Aufzeichnung des Fahrverhaltens des Vorderfahrzeuges auf ei­ner be­stimm­ten Strecke ge­n­au be­legt wer­den. Aus der Inaugenscheinnahme des Videos er­ga­ben si­ch kei­ne Gründe für ei­ne feh­ler­haf­te Messung. Insbesondere wur­de nach Aussage des Beamten PK …. die Bedienungsanleitung ein­ge­hal­ten. Der Beamte ist an dem Gerät ge­schult. Der Abstand zum Fahrzeug des Betroffenen wur­de zwi­schen Beginn und Ende der Messung nicht ver­rin­gert, son­dern ver­grö­ßer­te si­ch so­gar.“

Damit er­gibt si­ch aus den Urteilsgründen no­ch hin­rei­chend deut­li­ch, dass die durch­ge­führ­te Messung durch Nachfahrt so­wie durch Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeit er­folgt ist und das Amtsgericht den Tatnachweis nicht et­wa auf­grund ei­ner schlich­ten Nachfahrmessung mit Tachometervergleich als er­bracht an­ge­se­hen hat. Damit steht aber zu­gleich fest, dass die Messung nur mit­tels ei­ner der me­nü­ge­steu­er­ten Betriebsarten, hier ver­mut­li­ch „AUTO2“ (Synchronmessung durch gleich­zei­ti­ge Auslösung der Zeit- und Wegstreckenmessung bei Simultanaufzeichnung von Zeit und Wegstrecke auf dem Messfilm) er­mit­telt wor­den sein kann. Da aber bei al­len beim Nachfahren in Frage kom­men­den Messmethoden glei­che Voraussetzungen für die Umsetzung der Messung gel­ten, et­wa hin­sicht­li­ch der Relevanz des durch ei­ne - hier er­folg­te - ge­richt­li­che Inaugenscheinnahme des Messfilms zu über­prü­fen­den Abstandes vom Messfahrzeug zum vor­aus­fah­ren­den Pkw des Betroffenen so­wie hin­sicht­li­ch des ab­zu­zie­hen­den Toleranzwertes (vgl. die Richtlinien für die Geschwindigkeitsüberwachung für das Saarland, wie vor; vgl. da­zu auch König, a.a.O., § 3 StVO Rn. 62 a m.w.N.; OLG Bamberg, Beschluss vom 03. Februar 2014 – 2 Ss OWi 5/14 –, Rn. 7, ju­ris), lässt si­ch an Hand der Feststellungen des Amtsgerichts zur Nachfahrstrecke, zur Nichtverringerung des Abstandes zum Ende der Messung, zur fest­ge­stell­ten Geschwindigkeit und zur er­mit­tel­ten Geschwindigkeit nach Abzug der Messtoleranz die dem Betroffenen vor­ge­wor­fe­ne Geschwindigkeitsüberschreitung in no­ch aus­rei­chen­dem Umfang für das Rechtsbeschwerdegericht über­prü­fen (vgl. da­zu OLG Bamberg, Beschluss vom 25. Oktober 2011 – 3 Ss OWi 1194/11 –, Rn. 19 nach ju­ris, und vom 3. Februar 2014 – 2 Ss OWi 5/14 –, Rn. 7 nach ju­ris).

Darüber hin­aus­ge­hen­de Darstellungsanforderungen er­ge­ben si­ch ent­ge­gen der Auffassung des Verteidigers auch nicht dar­aus, dass in den Gründen des an­ge­foch­te­nen Urteils nicht mit­ge­teilt wird, ob und ge­ge­be­nen­falls wel­che Toleranzstrecke zwi­schen Anordnung der Geschwindigkeitsbegrenzung und dem Messpunkt ein­ge­hal­ten wur­de. Nach den Urteilfeststellungen hat die Messung je­den­falls räum­li­ch hin­ter der Anordnung der Geschwindigkeitsbeschränkung statt­ge­fun­den und si­ch über meh­re­re hun­dert Meter er­streckt, was zu ei­ner Mittelwertberechnung ge­führt hat. Daher kann da­hin­ste­hen, ob un­ter be­stimm­ten Voraussetzungen die Messstel­le ei­nen Abstand zur Anordnung der Geschwindigkeitsbeschränkung auf­wei­sen soll (vgl. die Richtlinien für die Geschwindigkeitsüberwachung: „Die Messstelle soll grund­sätz­li­ch nicht un­mit­tel­bar hin­ter der ers­ten maß­ge­ben­den ge­schwin­dig­keits­re­geln­den Verkehrszeichen, aber no­ch in des­sen Wirkbereich ein­ge­setzt wer­den“), da es ei­ne sol­che orts­fes­te Messstelle ge­ra­de nicht ge­ge­ben hat. Im Übrigen war vor­lie­gend nach den Urteilsfeststellungen die die Geschwindigkeitsbegrenzung ent­hal­ten­de Schilderbrücke über der Autobahn in Fahrtrichtung des Betroffenen deut­li­ch sicht­bar auf­ge­stellt (vgl. da­zu OLG Celle, Beschluss vom 25. Juli 2011 – 311 SsRs 114/11 –, Rn. 17, ju­ris).

Als zu­rei­chend er­wei­sen si­ch auch die Urteilsfeststellungen zur Anordnung der Geschwindigkeitsbegrenzung. Nach den maß­geb­li­chen Urteilsgründen war zum Tat– und Messzeitpunkt ei­ne Geschwindigkeitsbeschränkung von 100 km/h an­ge­ord­net. Die Urteilsausführungen le­gen dar­über hin­aus er­gän­zend dar, dass si­ch die Beamten in Ansehung der hier fest­zu­stel­len­den va­ria­blen Anzeigemöglichkeit der Schilderbrücke von der ak­tu­el­len Anzeige „100“ über­zeugt ha­ben. Weitergehende Feststellungen sind nicht er­for­der­li­ch, da we­der ei­ne Fehlerhaftigkeit die­ser Feststellung aus den Urteilsgründen er­sicht­li­ch ist no­ch ei­ne sol­che vor­ge­tra­gen wird.

2. Auch zum Rechtsfolgenausspruch of­fen­ba­ren die Urteilsausführungen kei­ne Rechtsfehler, die si­ch im Ergebnis zum Nachteil des Betroffenen aus­ge­wirkt hät­ten.

Das an­ge­foch­te­ne Urteil hält so­wohl hin­sicht­li­ch der Höhe der er­kann­ten Geldbuße als auch im Hinblick auf das ver­häng­te Fahrverbot ei­ner sachlich-rechtlichen Prüfung im Ergebnis stand.

a. Das Bußgeld in Höhe von 160,– Euro ent­spricht der re­gel­mä­ßi­gen Rechtsfolge für ei­ne sol­che Zuwiderhandlung nach Nr. 11.3.7 der Tabelle 1 des Anhangs zu Nummer 11 der Anlage (Bußgeldkatalog) zu § 1 Abs. 1 BKatV bei – wie hier – fahr­läs­si­ger Begehungsweise und ge­wöhn­li­chen Tatumständen oh­ne Voreintragung (§§ 1 Abs. 2 S. 2, 3 Abs. 1 BKatV) und be­geg­net da­her kei­nen durch­grei­fen­den sachlich-rechtlichen Bedenken, da die Urteilsgründe kei­nen Sachverhalt auf­wei­sen, der zu Gunsten des Betroffenen ei­ne Abweichung von ge­wöhn­li­chen Tatumständen be­grün­den könn­te.

Dabei ist der Begründung der Rechtsbeschwerde zu­nächst zu­zu­ge­ben, dass die in den Urteilsgründen be­nann­te Voreintragung im Fahreignungsregister be­tref­fend ei­ne Verurteilung vom 18.01.2008 we­gen fahr­läs­si­ger Trunkenheit im Verkehr nach § 29 Abs. 7 StVG nicht im vor­lie­gen­den Kontext ver­wer­tet wer­den durf­te.

Jedoch er­gibt si­ch in Ansehung der zu­grun­de ge­leg­ten Regelbußgeldsanktion und dem Umstand, dass die Registereintragung in­so­weit kei­ne Erwähnung in den Urteilsfeststellungen fin­det, kein Anlass zu der Annahme, dass die­se Entscheidung zu Lasten des Betroffenen in Form ei­ner Erhöhung der Geldbuße ver­wer­tet wur­de.

b. Diese Erwägungen gel­ten im Ergebnis auch für die Verhängung des an­ge­ord­ne­ten Fahrverbotes.

Das fest­ge­setz­te Fahrverbot be­ruht auf der ge­setz­ge­be­ri­schen Wertung der un­ter a) zi­tier­ten Vorschriften des StVG und ist ge­mäß der ein­schlä­gi­gen Regelungen der BKatV mit der Regeldauer von ei­nem Monat be­mes­sen. Von der Möglichkeit des § 4 Abs. 4 BKatV, bei an­ge­mes­se­ner Erhöhung der Geldbuße das Fahrverbot weg­fal­len zu las­sen, hat das Tatgericht kei­nen Gebrauch ge­macht, was kei­nen Fehler in der Sanktionsbemessung of­fen­bart. Denn der Sachverhalt weist kei­ne Besonderheiten in den per­sön­li­chen Bezügen des Betroffenen aus, die die Verhängung ei­nes Fahrverbots aus­nahms­wei­se un­an­ge­mes­sen er­schie­nen lie­ße. Diese Würdigung ob­liegt in ers­ter Linie dem Tatgericht (BGHSt 38, 231, 237; Senatsbeschluss vom 19. März 2013 – Ss (B) 5/2013 (4/13 OWi) –), wo­bei Ermessensfehler vor­lie­gend nicht er­sicht­li­ch sind. Das Gericht hat si­ch er­kenn­bar mit die­ser Frage in rechts­feh­ler­frei­er Weise aus­ein­an­der­ge­setzt.

Zwar hat in Zusammenhang mit der Frage, ob von ei­nem Fahrverbot ab­ge­se­hen wer­den könn­te, der Umstand der frü­he­ren – un­ver­wert­ba­ren – fahr­läs­si­gen Trunkenheit Erwähnung ge­fun­den. Jedoch kann im Gesamtkontext der Urteilsausführungen aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Anordnung des Fahrverbots dar­auf be­ruht. Denn das Gericht geht zu­nächst da­von aus, dass kei­ne Umstände in der Person des Betroffenen er­sicht­li­ch sind, die ein Absehen recht­fer­ti­gen wür­den. Lediglich mit ei­ner nicht mehr tra­gen­den Erwägung – „Zudem zeigt die Voreintragung …“ (UA 6/7) – geht das Gericht auf die Registereintragung ein, so dass of­fen­sicht­li­ch das Amtsgericht auch oh­ne die­se Erwägung kei­nen Anlass ge­se­hen hat­te, von der Regelsanktion zu­guns­ten des Betroffenen ab­zu­wei­chen.

Diesen zu­tref­fen­den Ausführungen der Generalstaatsanwaltschaft, die durch das Vorbringen des Verteidigers in des­sen Gegenerklärung vom 3. März 2016 nicht in Frage ge­stellt wer­den, schließt si­ch der Senat nach ei­ge­ner Überprüfung an und be­merkt er­gän­zend:

Die in der Stellungnahme der Generalstaatsanwaltschaft dar­ge­stell­te, in der ober­ge­richt­li­chen Rechtsprechung strei­ti­ge Frage, ob bei dem Einsatz des ProViDa-Systems zur Geschwindigkeitsmessung in den Gründen ei­nes tatrich­ter­li­chen Bußgeldurteils auch mit­zu­tei­len ist, wel­che der nach die­sem System mög­li­chen Betriebsarten bzw. Messmethoden im kon­kre­ten Fall zur Anwendung ge­kom­men ist, be­darf – wie die Generalstaatsanwaltschaft zu­tref­fend an­ge­nom­men hat – im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Entscheidung, da das Fehlen ei­ner sol­chen Mitteilung auch nach Auffassung de­rer, die sie grund­sätz­li­ch für er­for­der­li­ch hal­ten, je­den­falls dann nicht zu be­an­stan­den ist, wenn – wie hier – si­ch den Urteilsgründen no­ch mit hin­rei­chen­der Sicherheit ent­neh­men lässt, dass die durch­ge­führ­te Messung durch Nachfahrt so­wie durch Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeit er­folgt ist und der Tatrichter den Tatnachweis nicht et­wa auf­grund ei­ner ma­nu­el­len Weg-/Zeitberechnung als er­bracht an­ge­se­hen hat; denn in die­sem Fall steht zu­gleich fest, dass die Messung nur mit­tels ei­ner der me­nü­ge­steu­er­ten Betriebsarten, die glei­che Voraussetzungen für die Umsetzung der Messung ha­ben und bei de­nen bei Geschwindigkeiten über 100 km/h ein – hier vom Tatrichter be­rück­sich­tig­ter – Toleranzabzug von 5% des Messwerts vor­zu­neh­men ist, er­folgt sein kann (vgl. OLG Bamberg DAR 2012, 154 ff. – ju­ris Rn. 19; DAR 2014, 334 f. – ju­ris Rn. 4 ff.; Burhoff in: Burhoff, Handbuch für das stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che OWi-Verfahren, 4. Aufl., Rn. 2377). Dass bei den un­ter­schied­li­chen Messmethoden un­ter­schied­li­che Bedienungs- bzw. Auswertungsfehler auf­tre­ten „kön­nen“, macht ent­ge­gen der Auffassung des Verteidigers wei­ter­ge­hen­de Darlegungen nicht er­for­der­li­ch. Denn bei ei­ner Verurteilung we­gen ei­nes Geschwindigkeitsverstoßes, die si­ch auf das Ergebnis ei­nes stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens stützt, ge­nügt es in der Regel – so­weit si­ch kei­ne Anhaltspunkte für kon­kre­te Messfehler er­ge­ben ha­ben –, ne­ben der Wiedergabe der als er­wie­sen er­ach­te­ten Geschwindigkeit le­dig­li­ch das an­ge­wand­te Messverfahren und den be­rück­sich­tig­ten Toleranzwert in den Urteilsgründen mit­zu­tei­len, um dem Rechtsbeschwerdegericht die Kontrolle der Beweiswürdigung zu er­mög­li­chen (vgl. BGHSt 39, 291, 303; st. Rspr. des Senats, nur Beschlüsse vom 8. August 2013 - Ss (B) 48/2012 [37/12 OWi] - m.w.N., vom 8. November 2013 - Ss (B) 88/2013 [71/13 OWi] -, vom 20. Juli 2015 - Ss (RS) 10/2015 [22/15 OWi] - und vom 20. Oktober 2015 - Ss (RS) 22/2015 [40/15 OWi] ; König in: Hentschel/König/Dauer, Straßenverkehrsrecht, 43. Aufl., § 3 StVO Rn. 56b). Eine Auflistung le­dig­li­ch po­ten­ti­el­ler Fehler des im kon­kre­ten Fall zum Einsatz ge­kom­me­nen stan­dar­di­sier­ten Messverfahrens braucht ein tatrich­ter­li­ches Bußgeldurteil hin­ge­gen nicht zu ent­hal­ten. Umstände, die ab­wei­chend vom Regelfall dem Vertrauen in die Zuverlässigkeit ei­ner Geschwindigkeitsmessung ent­ge­gen­ste­hen, aber in den Feststellungen des tatrich­ter­li­chen Bußgeldurteils kei­nen Niederschlag ge­fun­den ha­ben, kön­nen da­her nicht im Wege der Sachrüge der Kontrolle durch das Rechtsbeschwerdegericht zu­gäng­li­ch ge­macht wer­den (vgl. BGHSt 39, 291 ff. – ju­ris Rn. 30). Der Anspruch des Betroffenen, nur auf­grund ord­nungs­ge­mäß ge­won­ne­ner Messdaten ver­ur­teilt zu wer­den, bleibt viel­mehr da­durch ge­währt, dass ihm die Möglichkeit er­öff­net ist, den Tatrichter im Rahmen sei­ner Einlassung auf Zweifel auf­merk­sam zu ma­chen und ge­ge­be­nen­falls ei­nen ent­spre­chen­den Beweisantrag zu stel­len. Kommt der Tatrichter da­na­ch sei­ner Pflicht zur Aufklärung des Sachverhalts nicht in aus­rei­chen­dem Maße nach, so kann dies grund­sätz­li­ch im Rechtsbeschwerdeverfahren mit der – im vor­lie­gen­den Fall al­ler­dings nicht er­ho­be­nen – Verfahrensrüge be­an­stan­det wer­den (vgl. BGHSt 39, 291 ff. – ju­ris Rn. 27).

Ob die Anordnung des Fahrverbots auf der un­ter Verstoß ge­gen § 29 Abs. 7 Satz 2 StVG er­folg­ten Verwertung der Voreintragung im Fahreignungsregister be­ruht, kann da­hin­ge­stellt blei­ben, da we­sent­li­che Besonderheiten in der Tat oder in der Persönlichkeit des Betroffenen, die aus­nahms­wei­se ein Abweichen von dem hier ge­mäß § 4 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 BKatV, Nr. 11.3 der Anlage zu § 1 Abs. 1 BKatV i. V. mit Nr. 11.3.7 der Tabelle 1 zu Nr. 11 der Anlage zu § 1 Abs. 1 der BKatV vor­ge­se­he­nen Regelfahrverbot von ei­nem Monat ge­bie­ten könn­ten, nach den rechts­feh­ler­frei ge­trof­fe­nen Feststellungen nicht vor­lie­gen, so dass die Verhängung des Fahrverbots – was der Senat ge­mäß § 79 Abs. 6 OWiG selbst ent­schei­den kann (vgl. OLG Düsseldorf VRS 73, 142, 144; Göhler/Seitz, OWiG, 16. Aufl., § 79 Rn. 44, 45c; KK-OWiG/Senge, 4. Aufl., § 79 Rn. 159) – je­den­falls im Ergebnis nicht zu be­an­stan­den ist.

Die Rechtsbeschwerde war da­her mit der Kostenfolge aus § 46 Abs. 1 OWiG, § 473 Abs. 1 Satz 1 StPO als of­fen­sicht­li­ch un­be­grün­det zu ver­wer­fen.

Über Alexander Gratz

Dipl. jur. Universität des Saarlandes

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*