OLG Saarbrücken: Eröffnungsbeschluss muss Person des Beschuldigten er­ken­nen las­sen

Anna16, Wikimedia Commons
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Auf ei­ne ak­tu­el­le Entwicklung hat mi­ch der Kollege RA Rainer Strauß auf­merk­sam ge­macht: Das OLG Saarbrücken hat am 01.12.2016 ein Strafverfahren we­gen ei­nes man­gel­haf­ten Eröffnungsbeschlusses ein­ge­stellt (Ss 71/2016 (54/16)). In die­sem hat­te die zu­stän­di­ge Strafrichterin am AG Saarlouis die amt­li­chen Formulare Eröffnungsbeschluss (3.11 Ri) so­wie Terminsbestimmung/-verlegung (StPO) (1.13 Ri) ver­wen­det. Das Formular zum Eröffnungsbeschluss ent­hielt au­ßer dem Datum der Anklage we­der den Namen des Angeklagten no­ch das Aktenzeichen oder an­de­re Angaben, mit de­nen der Beschluss ei­nem Verfahren hät­te zu­ge­ord­net wer­den kön­nen. Auch aus der Terminsbestimmung er­ga­ben si­ch kei­ne wei­te­ren Daten. Damit feh­le es an ei­nem wirk­sa­men Eröffnungsbeschluss, wor­aus ein Verfahrenshindernis re­sul­tie­re. Nach Informationen des Kollegen Strauß kam es nach die­sem Beschluss auch in an­de­ren Verfahren im Saarland zu Einstellungen.

1. Auf die Revision des Angeklagten wer­den das Urteil des Landgerichts Saarbrücken - 12. Kleine Strafkammer - vom 22. August 2016 mit den die­sem zu­grun­de lie­gen­den Feststellungen und das Urteil des Amtsgerichts - Strafrichterin - Saarlouis vom 9. Dezember 2015  a u f g e h o b e n  und das Verfahren  e i n g e s t e l l t.

2. Die Kosten des Verfahrens und die not­wen­di­gen Auslagen des Angeklagten trägt die Landeskasse.

Gründe

I.

Das Amtsgericht - Strafrichterin - Saarlouis hat den Angeklagten we­gen vor­sätz­li­ch un­er­laub­ten Führens ei­ner Schusswaffe in Tateinheit mit Verwenden von Kennzeichen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Organisationen zu ei­ner Freiheitsstrafe von sechs Monaten ver­ur­teilt.

Auf die - in der Berufungshauptverhandlung von dem Verteidiger mit Ermächtigung des Angeklagten und Zustimmung der Staatsanwaltschaft auf den Rechtsfolgenausspruch be­schränk­te - Berufung des Angeklagten hat das Landgericht Saarbrücken - 12. Kleine Strafkammer - mit Urteil vom 22. August 2016 das amts­ge­richt­li­che Urteil un­ter Verwerfung der Berufung im Übrigen im Rechtsfolgenausspruch da­hin ab­ge­än­dert, dass es den Angeklagten un­ter Einbeziehung der durch Strafbefehl des Amtsgerichts Lebach vom 27. September 2015 (Az.: 5 Cs 24 Js 1463/15 (286/15)) ver­häng­ten Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 15,-- € zu ei­ner Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Monaten ver­ur­teilt hat, wo­bei es man­gels wirk­sa­mer Unterschrift der Strafrichterin un­ter den Urteilsgründen von der Unwirksamkeit der Berufungsbeschränkung aus­ge­gan­gen ist.

Gegen die­ses in der Berufungshauptverhandlung in sei­ner Anwesenheit ver­kün­de­te Urteil wen­det si­ch der Angeklagte mit der von sei­nem Verteidiger mit Schriftsatz vom 23. August 2016 - ein­ge­gan­gen beim Landgericht Saarbrücken am 24.08.2016 - ein­ge­leg­ten und zu­gleich mit der all­ge­mei­nen Sachrüge be­grün­de­ten Revision.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat be­an­tragt, die Urteile des Land- und des Amtsgerichts auf­zu­he­ben und das Verfahren ein­zu­stel­len.

II.

Die ge­mäß § 333 StPO statt­haf­te, form- und frist­ge­recht ein­ge­leg­te (§ 341 Abs. 1 StPO) so­wie form- und frist­ge­recht - zu­läs­si­ger­wei­se zu­gleich mit der Revisionseinlegung (vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 59. Aufl., § 345 Rn. 3) - mit der all­ge­mei­nen Sachrüge be­grün­de­te (§ 344, 345 StPO), mit­hin zu­läs­si­ge Revision hat in der Sache Erfolg. Das an­ge­foch­te­ne Urteil ist mit den ihm zu­grun­de lie­gen­den Feststellungen eben­so wie das Urteil des Amtsgerichts auf­zu­he­ben (§ 353 Abs. 1, Abs. 2 StPO) und das Verfahren ge­mäß § 354 Abs. 1 StPO ein­zu­stel­len. Denn es liegt - was der Senat auf die zu­läs­si­ge Sachrüge hin von Amts we­gen zu prü­fen hat (vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, a. a. O., Einl. Rn. 150, § 352 Rn. 2; KK-Gericke, StPO, 7. Aufl., § 352 Rn. 3) - ein in der Revisionsinstanz nicht mehr be­heb­ba­res Verfahrenshindernis vor, da es an ei­nem wirk­sa­men Eröffnungsbeschluss im Sinne der §§ 203, 207 StPO fehlt (vgl. BGH NStZ-RR 2011, 150 f. - ju­ris Rn. 2; NStZ 2012, 225 f. - ju­ris Rn. 2, 9; Urteil des Senats vom 4. April 2016 - Ss 10/2016 (9/16) -, ju­ris; OLG Hamm, Beschl. v. 11.08.2016 - III-1 RVs 55/16, ju­ris Rn. 4).

Die Generalstaatsanwaltschaft hat hier­zu in ih­rer Stellungnahme vom 21. November 2016 Folgendes aus­ge­führt:

„1. Dem liegt fol­gen­der Verfahrensgang zu Grunde:

Mit Anklageschrift vom 11.08.2015 (Az.: 29 Js 126/15) er­hob die Staatsanwaltschaft Saarbrücken Anklage we­gen der ab­ge­ur­teil­ten Tat des vor­sätz­li­ch un­er­laub­ten Führens ei­ner Schusswaffe in Tateinheit mit Verwenden von Kennzeichen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Organisationen. Nach Zustellung der Anklage und Bestellung ei­nes Pflichtverteidigers für den Angeklagten ge­mäß § 140 Abs. 2 StPO be­fin­det si­ch auf Blatt 50 der Akte das mit dem Namenszeichen der zu­stän­di­gen Richterin ver­se­he­ne amt­li­che Formular Eröffnungsbeschluss (3.11 Ri), das nur ru­di­men­tär aus­ge­füllt ist und fol­gen­den Inhalt auf­weist:

Beschluss
In der Strafsache ge­gen
pp.

we­gen
wird die Anklage
der Staatsanwaltschaft Saarbrücken
vom 11.8.15 (Geschäftsnummer: ____________________)
zur Hauptverhandlung zu­ge­las­sen und das Hauptverfahren er­öff­net.

Die Hauptverhandlung soll vor

X dem Strafrichter
hier statt­fin­den.

Unmittelbar da­hin­ter be­fin­det si­ch auf Blatt 51 der Akte das amt­li­che Formular Terminsbestimmung/-verlegung (StPO) (1.13 Ri), das eben­falls nur mit dem Namenszeichen der zu­stän­di­gen Richterin un­ter­zeich­net ist und kei­nen wei­te­ren zur Konkretisierung des Angeklagten oder des Verfahrens ge­eig­ne­ten Inhalt ent­hält.

2. Dies ge­nügt nicht, um den nach stän­di­ger ober­ge­richt­li­cher Rechtsprechung we­sent­li­chen Förmlichkeiten ei­nes grund­sätz­li­ch schrift­li­ch ab­zu­fas­sen­den und zu un­ter­zeich­nen­den Eröffnungsbeschlusses zu ge­nü­gen. Das Verfahren ist da­her - was der Senat von Amts we­gen zu prü­fen hat (vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 59. Aufl., Einl. Rn. 150; § 352 Rn. 2; KK-StPO/Gericke, StPO, 7. Aufl., § 352 Rn. 3, jew. m.w.N.) - we­gen ei­nes in der Revisionsinstanz nicht mehr be­heb­ba­ren Verfahrenshindernisses ein­zu­stel­len.

a. Es ge­hört näm­li­ch zu den we­sent­li­chen Förmlichkeiten ei­nes wirk­sa­men Eröffnungsbeschlusses, dass er schrift­li­ch ab­ge­fasst ist (vgl. BGH StV 2013, 132, 133). Das Fehlen sei­ner schrift­li­chen Abfassung führt da­her, so­fern der Mangel nicht be­reits im erst­in­stanz­li­chen Verfahren ge­heilt wor­den ist (vgl. hier­zu KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 21, 31, 32; Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., § 207 Rn. 12, jew. m.w.N.), we­gen des da­durch be­grün­de­ten Verfahrenshindernisses zur Einstellung des Verfahrens (vgl. nur BGH, a.a.O.; OLG Zweibrücken NStZ-RR 1998, 74 f.; KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 15; Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., § 207 Rn. 8).

Auch wenn die StPO kei­ne spe­zi­el­le Formvorschrift für den Eröffnungsbeschluss ent­hält, ist gleich­wohl an­er­kannt, dass es im Hinblick auf die Bedeutung des Eröffnungsbeschlusses als Grundlage des Hauptverfahrens und mit Rücksicht auf die Erweislichkeit der Beschlussfassung in wei­te­ren Verfahrensstadien re­gel­mä­ßig ei­ner schrift­li­chen Niederlegung der Entscheidung be­darf (vgl. BGHSt 34, 248, BGH StV 2011, 457; OLG Zweibrücken, a.a.O., Beschlüsse vom 2. Mai 2008 - 1 Ws 142/08 - und 16. Januar 2012 - 1 Ss 59/11 -, jew. zi­tiert nach ju­ris; OLG Düsseldorf NStZ-RR 2000, 114 f.; OLG Hamm StV 2001, 331; OLG Stuttgart NStZ-RR 2010, 343 f.; LR-Stuckenberg, StPO, 26. Aufl., § 207 Rn. 33; KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 15; Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., § 207 Rn. 8). Aus die­ser Entscheidung, die nicht not­wen­dig dem Wortlaut des § 207 Abs. 1 StPO ent­spre­chen muss (vgl. BGH NStZ 2000, 442, 443; BayObLG NStZ-RR 1998, 109 f.; OLG Hamm, a.a.O.; LR-Stuckenberg, a.a.O., § 207 Rn. 54; KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 17; Meyer-Goßner/Schmitt, a.a.O., § 207 Rn. 8, jew. m.w.N.), muss si­ch da­bei ein­deu­tig der Wille des Gerichts er­ge­ben, die Anklage nach Prüfung und Bejahung der Eröffnungsvoraussetzungen zur Hauptverhandlung zu­zu­las­sen (vgl. BGH NStZ 1984, 520; NStZ 2000, 442, 443; OLG Düsseldorf, NStZ-RR 2000, 114 f.; OLG Hamm, StV 2001). Das frag­li­che Schriftstück muss da­her aus Gründen der Rechtssicherheit aus si­ch selbst her­aus oder in Verbindung mit sons­ti­gen Urkunden mit Sicherheit er­ken­nen las­sen, dass der zu­stän­di­ge Richter die Eröffnung des Hauptverfahrens tat­säch­li­ch be­schlos­sen hat (vgl. BGH StV 2011, 457; OLG Zweibrücken NStZ-RR 1998, 74, 75; OLG Düsseldorf NStZ-RR 2000, 114 f.; OLG Hamm, a.a.O.; KG, Beschluss vom 11. Dezember 2012 - (4) 161 Ss 224/12 (281/12) -, ju­ris). Bei der schrift­li­chen Niederlegung des Eröffnungsbeschlusses dür­fen nach all­ge­mei­ner Meinung auch Vordrucke Verwendung fin­den, die grund­sätz­li­ch ein­deu­tig ab­zu­fas­sen und voll­stän­dig aus­zu­fül­len sind (vgl. OLG Zweibrücken, Beschlüsse vom 2. Mai 2008 - 1 Ws 142/08 - und 16. Januar 2012 - 1 Ss 59/11 -, a.a.O.; OLG Koblenz, Beschluss vom 4. März 2009 - 1 Ss 13/09 -, ju­ris; LR-Stuckenberg, a.a.O., § 207 Rn. 34; KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 15). Dazu ge­hört in al­ler Regel die ge­naue Bezeichnung der Anklageschrift un­ter Anführung des Namens des Angeschuldigten (vgl. KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 15). Die blo­ße Unterzeichnung ei­nes Formblatts, in dem zwar die Zulassung ei­ner Anklage vor­ge­druckt ist, in dem aber we­der die Anklage nä­her kon­kre­ti­siert, et­wa durch Datum oder Aktenzeichen, no­ch der Angeschuldigte be­zeich­net wird, und das oh­ne Angabe ei­nes Aktenzeichens in die Akte ge­langt, ge­nügt nach in der ober­ge­richt­li­chen Rechtsprechung und der Kommentarliteratur ver­tre­te­ner Auffassung nicht (vgl. BayObLG NStZ-RR 2001, 139 f.; OLG Zweibrücken, Beschluss vom 2. Mai 2008 - 1 Ws 142/08 -, ju­ris; LR-Stuckenberg, a.a.O., § 207 Rn. 34; SK-StPO/Paeffgen, StPO, 5. Aufl., § 207 Rn. 15 b). Ist die Urschrift in die­sem Sinne man­gel­haft, ver­mag auch ei­ne von der Geschäftsstelle ver­voll­stän­dig­te Ausfertigung das be­grün­de­te Verfahrenshindernis nicht zu be­sei­ti­gen; denn die Ausfertigung ist als blo­ße Abschrift der Urschrift ei­ner nach­fol­gen­den Komplettierung nicht zu­gäng­li­ch (vgl. OLG Zweibrücken, Beschluss vom 2. Mai 2008 - 1 Ws 142/08 -, ju­ris; OLG Koblenz NStZ-RR 2009, 288; StV 2011, 467; KK-StPO/Schneider, a.a.O., § 207 Rn. 15, ins­ge­samt zu den Anforderungen an die Wirksamkeit ei­nes Eröffnungsbeschlusses, Beschluss des Senats vom 0.04.2016 - Ss 10/2016 - [Anmerkung des Senats: Gemeint ist er­sicht­li­ch das Urteil vom 4. April 2016 - Ss 10/2016 (9/16) -, ju­ris]).

b. Bei - wie hier - un­voll­stän­di­ger Ausfüllung ei­nes un­ter­schrie­be­nen Vordrucks ist der Eröffnungsbeschluss al­ler­dings nur dann ord­nungs­ge­mäß er­las­sen, wenn si­ch die feh­len­den Teile aus den aus­ge­füll­ten Teilen des Vordrucks, gg­fls. auch ei­ner an­schlie­ßen­den Terminsverfügung, un­zwei­deu­tig er­gän­zen las­sen. Diesen Anforderungen ge­nügt der ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­che Eröffnungsbeschluss je­doch of­fen­kun­dig nicht, weil er mit Ausnahme des Datums der Anklage kei­ner­lei zur Konkretisierung des Verfahrens er­for­der­li­che Angaben ent­hält, so dass aus si­ch her­aus nicht ver­ständ­li­ch ist, in wel­chem Verfahren die Anklage zu­ge­las­sen und das Hauptverfahren er­öff­net wur­de. Die - wie hier - zur Konkretisierung aus­schließ­li­ch er­folg­te hand­schrift­li­che Eintragung des Datums der Anklageschrift ge­nügt je­den­falls nicht (vgl. OLG Koblenz NStZ-RR 2009, 288, zu­letzt noch­mals für ei­ne iden­ti­sche Fallgestaltung OLG Hamm, Beschluss vom 11.08.2016 - III 1 RVs 55/16 -, zi­tiert nach ju­ris). Daran än­dert auch die hier of­fen­kun­dig zeit­gleich - eben­falls for­mu­lar­mä­ßig er­folg­te - Terminsverfügung nichts, da die­se - wie dar­ge­stellt - kei­nen wei­te­ren zur Konkretisierung des Angeklagten oder des Verfahrens ge­eig­ne­ten Inhalt auf­weist.“

Diesen zu­tref­fen­den Ausführungen schließt si­ch der Senat an und be­merkt er­gän­zend:

Beschränken si­ch die in ei­nem for­mu­lar­mä­ßi­gen Vordruck für ei­nen Eröffnungsbeschluss - ne­ben der Angabe des Beschlussdatums und der Bezeichnung des Gerichts, vor dem die Hauptverhandlung statt­fin­den soll - vor­ge­nom­me­nen rich­ter­li­chen Einfügungen - wie hier - al­lein auf die hand­schrift­li­che Eintragung des Datums der Anklageschrift, oh­ne dass (zu­min­dest) der Angeschuldigte na­ment­li­ch be­zeich­net oder das Aktenzeichen der Anklageschrift an­ge­ge­ben wird, und er­gibt si­ch die hin­rei­chen­de Individualisierung des Angeschuldigten auch nicht ein­deu­tig aus der si­ch an den Eröffnungsbeschluss an­schlie­ßen­den Terminsverfügung, so fehlt es an ei­nem wirk­sa­men Eröffnungsbeschluss (vgl. zu iden­ti­schen Fallgestaltungen: OLG Koblenz NStZ-RR 2009, 288; OLG Zweibrücken StV 2012, 460 f.; OLG Hamm, Beschl. v. 11.08.2016 - III-1 RVs 55/16, ju­ris).

Insofern un­ter­schei­det si­ch der vor­lie­gen­de Fall von den vom Senat bis­lang ent­schie­de­nen, ver­gleich­ba­ren Fallkonstellationen, in de­nen der Senat die be­tref­fen­den amts­ge­richt­li­chen Eröffnungsbeschlüsse no­ch als wirk­sam er­ach­tet hat. In dem vom Senat mit Urteil vom 4. April 2016 (Ss 10/2016 (9/16), ju­ris) ent­schie­de­nen Fall war in dem for­mu­lar­mä­ßi­gen Eröffnungsbeschluss zu­sätz­li­ch der Nachname des Angeschuldigten ein­ge­tra­gen wor­den. In ei­nem wei­te­ren Fall, der ei­nem eben­falls am 4. April 2016 er­gan­ge­nen Beschluss des Senats (Ss 15/2016 (14/16)) zu­grun­de lag, war in den Formularvordruck zu­sätz­li­ch der Nachname des dor­ti­gen Angeschuldigten und da­hin­ter ei­ne Bezugnahme auf „Blatt 54 d. A.“ und da­mit auf die die voll­stän­di­gen Personalien je­nes Angeschuldigten ent­hal­ten­de er­s­te Seite der dor­ti­gen Anklageschrift ein­ge­fügt wor­den. In dem mit Beschluss des Senats vom 5. April 2016 (Ss 13/2016 (13/16)) ent­schie­de­nen Fall er­gab si­ch ei­ne hin­rei­chen­de Individualisierung des dor­ti­gen Angeschuldigten im­mer­hin no­ch dar­aus, dass nach dem un­ter Ziffer 1 der Formularverfügung ent­hal­te­nen Eröffnungsbeschluss mit der un­ter Ziffer 4 lit. a die­ser Verfügung an­ge­ord­ne­ten Ladung des (nun­mehr) Angeklagten zur Hauptverhandlung auf „Bl. 54 d. A.“ und da­mit auf die die voll­stän­di­gen Personalien je­nes Angeschuldigten ent­hal­ten­de er­s­te Seite der dor­ti­gen Anklageschrift Bezug ge­nom­men wor­den war.

Die in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Saarlouis vom 9. Dezember 2015 aus­weis­li­ch des Hauptverhandlungsprotokolls ge­trof­fe­ne Feststellung, die Anklage sei durch Eröffnungsbeschluss vom 08.10.2015 zur Hauptverhandlung zu­ge­las­sen und das Hauptverfahren vor dem Amtsgericht - Strafrichterin - er­öff­net wor­den, ist nicht ge­eig­net, das Fehlen ei­nes wirk­sa­men Eröffnungsbeschlusses zu er­set­zen, da hier­mit er­sicht­li­ch kei­ne nach­ho­len­de, den Mangel hei­len­de Eröffnungsentscheidung ge­trof­fen wer­den soll­te, son­dern le­dig­li­ch - durch Verweis auf den feh­ler­haf­ten Beschluss - fest­ge­stellt wur­de, dass ei­ne sol­che vor­han­den sei (vgl. BGH NStZ-RR 2011, 150 f. - ju­ris Rn. 2; OLG Zweibrücken StV 2012, 460 f. - ju­ris Rn. 18).

Die Verfahrenseinstellung steht ei­ner er­neu­ten Anklageerhebung nicht ent­ge­gen (vgl. OLG Koblenz NStZ-RR 2009, 288 - ju­ris Rn. 8; StV 2011, 467 f. - ju­ris Rn. 20).

Die Entscheidung über die Kosten des Verfahrens und die not­wen­di­gen Auslagen der Angeklagten folgt aus § 467 Abs. 1 StPO.

Über Alexander Gratz

Dipl. jur. Universität des Saarlandes

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